Können gute Werke retten?

Kurze Antwort

Nein. Die Bibel lehrt, dass wir aus Gottes Gnade durch den Glauben an Christus gerettet werden, als Geschenk und nicht als Lohn für Taten. Gute Werke verdienen die Rettung nicht, sind aber ihre Frucht und ihr Beweis.

Viele meinen, der Himmel gehöre denen, deren gute Taten die schlechten überwiegen. Die Bibel antwortet anders und besteht zugleich darauf, dass ein gerettetes Leben nicht untätig bleibt. Beides ist wichtig.

Rettung ist ein Geschenk, kein Lohn

Paulus sagt es so klar wie möglich.

Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme.

Eph 2:8–9 · Luther 1912

Adolf Schlatter schreibt dazu: Der Mensch ist nicht mehr der Wirker seiner Seligkeit. Unser ganzer Anteil besteht darin, dass Gott gibt; deshalb entsteht das Heil nicht durch das Gute, das wir für Gott tun, sondern durch das Gute, das Gott an uns tut. John MacArthur ergänzt, dass die Aussage über Gottes Gabe die ganze Rettung umfasst, also auch den Glauben selbst. William MacDonald zählt auf, worauf Menschen vertrauen: Konfirmation, Taufe, Kirchenmitgliedschaft, Gottesdienstbesuch, das Bemühen um die Zehn Gebote, Wohltätigkeit und sogar ein sittlich einwandfreies Leben. Nichts davon verdient die Rettung.

Dieselbe Wahrheit steht hinter den Worten an Titus.

nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes,

Tit 3:5 · Luther 1912

John Wesley sieht in diesem Vers den Grund unserer Erlösung: nicht unsere Werke, sondern die Güte und Liebe Gottes, unseres Retters. Nach MacDonald ist die einfachste Wahrheit des Evangeliums, dass die Rettung nicht auf guten Werken beruht, für den Menschen zugleich die schwerste.

Warum Werke des Gesetzes nicht retten können

Dasselbe sagt Paulus über das Gesetz des Mose, Gottes eigenen Maßstab.

doch weil wir wissen, daß der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesum Christum, so glauben wir auch an Christum Jesum, auf daß wir gerecht werden durch den Glauben an Christum und nicht durch des Gesetzes Werke; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht.

Gal 2:16 · Luther 1912

MacDonald erklärt den Grund: Das Gesetz verurteilte jeden, der es nicht vollkommen hielt, und alle haben es übertreten. Wer Gottes Gesetz einmal gebrochen hat, kann die Rechnung nicht mit zusätzlichen guten Taten ausgleichen.

Echter Glaube bringt Frucht

Sind Werke dann unwichtig? Paulus antwortet im nächsten Vers.

Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.

Eph 2:10 · Luther 1912

Schlatter betont, dass wir nicht dazu in Christus ins neue Leben versetzt sind, damit wir nichts tun, sondern damit gute Werke durch uns geschehen, die anderen zum Segen werden. MacArthur schreibt, dass gute Werke die Rettung nicht bewirken, aber ihre Folge sind, ihre Frucht und ihr Beweis.

Jakobus scheint das Gegenteil zu sagen, wenn er schreibt, dass Glaube ohne Werke tot ist.

Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selber. Aber es möchte jemand sagen: Du hast den Glauben, und ich habe die Werke; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke, so will ich dir meinen Glauben zeigen aus meinen Werken.

Jak 2:17–18 · Luther 1912

MacDonald betont: Jakobus sagt nicht, dass wir durch Glauben plus Werke gerettet werden. Dann gäbe es zwei Retter, Jesus und uns selbst. Er sagt, dass echter Glaube und gute Werke untrennbar sind. Wesley nennt Glauben ohne Werke einen toten, leeren Begriff, und Matthew Henry schreibt, dass allein der wahre Glaube rettet, aber immer heilige Frucht bringt und sich in den Werken zeigt. Paulus und Jakobus sprechen von Verschiedenem: Paulus davon, wie ein Mensch vor Gott gerecht wird, Jakobus davon, woran man echten Glauben erkennt.

Was das für Sie bedeutet

Gottes Gunst muss man nicht verdienen und kann es auch nicht. Man kann annehmen, was Jesus am Kreuz für uns getan hat, indem man ihm vertraut (Johannes 3:16; Römer 3:28). Gute Werke sind dann keine Leiter zu Gott mehr, sondern Dank an ihn und Dienst an den Menschen um uns. Wer sich bisher bemüht hat, „gut genug” zu sein, darf diese Last ablegen und so zu ihm kommen, wie er ist.