Was ist Glaube?

Kurze Antwort

In der Bibel ist Glaube Vertrauen auf Gott: die feste Gewissheit, dass er hält, was er versprochen hat, auch wenn wir das Ergebnis noch nicht sehen. Rettender Glaube gründet sich auf Jesus Christus, entsteht durch das Hören von Gottes Wort und zeigt sich in einem veränderten Leben.

Das Wort Glaube wird ganz unterschiedlich gebraucht. Manchmal meint man damit eine Religion, manchmal die vage Hoffnung, dass schon alles gut gehen wird, und manchmal etwas für wahr halten, ohne einen Grund dafür zu haben. Die Bibel meint etwas Persönlicheres und Festeres: Glaube ist Vertrauen auf Gott, der Mensch nimmt Gott beim Wort und verlässt sich auf ihn.

Glaube vertraut auf Gottes Zusagen

Der Hebräerbrief enthält die bekannteste Beschreibung des Glaubens in der Bibel.

Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.

Hebr 11:1 · Luther 1912

Adolf Schlatter betont, dass dem Glauben immer Gottes Verheißung vorangeht: Sie gibt ihm Inhalt und Gegenstand. Wir können dem vertrauen, der uns nach seiner Güte Gutes gibt. William MacDonald merkt an, dass der Vers keine strenge Definition ist, sondern beschreibt, was der Glaube für uns tut: Das Erhoffte wird so wirklich, als besäßen wir es schon.

Der Rest von Hebräer 11 zeigt, wie das im Leben aussieht. Abraham verließ seine Heimat, als Gott ihn rief, ohne zu wissen, wohin er ging (Hebräer 11:8). Schon vorher glaubte er Gottes Zusage, und Gott rechnete ihm das als Gerechtigkeit an (1. Mose 15:6). John Wesley bemerkt, dass Abraham sich dabei auf die Macht und Treue dessen stützte, der die Zusage gegeben hatte.

Aber ohne Glauben ist’s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde.

Hebr 11:6 · Luther 1912

John MacArthur erklärt, dass es nicht um den Glauben an irgendeine Gottheit geht, sondern an den Gott der Schrift, der die belohnt, die ihn suchen. MacDonald schreibt, dass keine Menge guter Werke fehlenden Glauben ersetzen kann: Wer Gott nicht glaubt, macht ihn zum Lügner.

Glaube kommt aus dem Hören auf Gottes Wort

Woher kommt Glaube? Paulus erklärt, wie Gott ihn schenkt.

So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes.

Röm 10:17 · Luther 1912

MacArthur weist darauf hin, dass man genauer übersetzen kann: das Wort von Christus, also die Botschaft über ihn. Wesley merkt an, dass der Glaube gewöhnlich auf diesem Weg kommt, durch das Hören des Wortes Gottes. Paulus sagt auch, dass wir aus Gnade durch den Glauben gerettet sind, und dass dies Gottes Gabe ist, nicht unsere Leistung (Epheser 2:8). Wesley vergleicht den Glauben mit einer leeren Hand, die das Geschenk ohne jeden Anspruch auf Verdienst empfängt. Johannes schrieb sein Evangelium, damit die Leser glauben, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und Leben haben in seinem Namen (Johannes 20:31).

Der Glaube der Bibel hat eine klare Mitte: Jesus Christus, der starb und auferstand. Paulus schreibt, dass gerettet wird, wer Jesus als Herrn bekennt und im Herzen glaubt, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat (Römer 10:9). MacArthur betont, dass Jesus als Herrn zu bekennen mehr ist, als anzuerkennen, dass er Gott ist, denn das tun auch die Dämonen: Es heißt, sich ihm als dem eigenen Herrn zu unterstellen.

Glaube bedeutet nicht, nie Zweifel zu haben. Ein besorgter Vater sagte zu Jesus, dass er glaube, und bat im selben Atemzug, ihm in seinem Unglauben zu helfen (Markus 9:24). Adolf Schlatter beobachtet, dass der Mann ehrlich beides bekannte, Glauben und Unglauben, und spürte, dass er Glauben nicht durch eigenen Entschluss in sich erzeugen kann. Jesus sprach auch von Glauben so klein wie ein Senfkorn (Matthäus 17:20). MacArthur warnt, dass es hier nicht um positives Denken geht: Quelle und Gegenstand auch des kleinsten Glaubens ist Gott.

Rettender Glaube bleibt nicht allein

Die Bibel lehrt, dass wir durch den Glauben vor Gott gerecht werden, nicht durch eigene Werke (Römer 5:1). Doch Jakobus schreibt etwas, das zunächst anders klingt.

Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selber.

Jak 2:17 · Luther 1912

Paulus und Jakobus widersprechen sich nicht. Wesley erklärt, dass sie von verschiedenen Zeitpunkten sprechen: Paulus von 1. Mose 15, als Abraham lange vor Isaaks Geburt durch Glauben für gerecht erklärt wurde, Jakobus von der Opferung Isaaks viele Jahre später. Matthew Henry schreibt, dass der wahre Glaube allein rettet, aber heilige Früchte bringt, während bloße Zustimmung zu einer Lehre etwas ganz anderes ist. Jakobus weist darauf hin, dass auch die Dämonen glauben, dass es einen Gott gibt, und zittern (Jakobus 2:19). Wesley kommentiert, dass solcher Glaube nicht mehr ist als der Glaube der Teufel.

Abraham zeigte seinen Glauben, als er Gott in der schwersten Prüfung seines Lebens gehorchte (Jakobus 2:21–23). Schlatter betont, dass gerade Abraham zeigt, wie Glaube und Werk untrennbar zusammengehören. Paulus spricht vom Glauben, der durch die Liebe wirkt (Galater 5:6). Gute Werke erkaufen die Rettung nicht, sie wachsen aus ihr.

Jeden Tag aus Glauben leben

Glaube ist nicht nur der erste Schritt des Christseins, sondern die Art, den ganzen Weg zu gehen. Paulus sagt, dass Glaubende im Glauben wandeln, nicht im Schauen (2. Korinther 5:7). MacDonald erklärt: Wir haben den Herrn nie mit leiblichen Augen gesehen, wir sehen ihn nur im Glauben. Das Buch der Sprüche ruft dazu auf, dem Herrn von ganzem Herzen zu vertrauen und sich nicht auf den eigenen Verstand zu verlassen (Sprüche 3:5–6).

Schwere Zeiten stellen den Glauben auf die Probe, und diese Prüfung bringt Ausdauer hervor (Jakobus 1:3).

Wenn Ihr Glaube Ihnen schwach vorkommt, schauen Sie auf Jesus. Der Hebräerbrief nennt ihn den Anfänger und Vollender des Glaubens (Hebräer 12:2). Wesley versteht das so, dass Christus den Glauben in uns beginnt, weiterführt und vollendet. Schlatter vergleicht das Leben im Glauben mit einem Wettlauf, in dem der Läufer alles ablegt, was ihn beschwert, und den Blick auf das Ziel richtet. Hören Sie weiter auf sein Wort, bringen Sie Ihre Zweifel ehrlich im Gebet zu Gott und gehen Sie den nächsten Schritt des Vertrauens.