Wie betet man richtig?

Kurze Antwort

Bete aufrichtig zu Gott als deinem Vater und komm durch Jesus zu Ihm, nicht im Vertrauen auf eigene Verdienste. Nimm das Vaterunser als Vorbild, bring jedes Anliegen und jede Sorge mit Dank zu Ihm und bleib beharrlich im Gebet.

Viele Menschen möchten beten, wissen aber nicht, wie sie anfangen sollen. Braucht man besondere Worte, eine bestimmte Haltung oder einen heiligen Ort? Jesus hat Seinen Jüngern keine Technik gegeben. Er zeigte ihnen, mit welchem Herzen man betet, und gab ihnen Worte, mit denen man beginnen kann.

Beten ist ein aufrichtiges Gespräch mit dem Vater

In der Bergpredigt warnte Jesus vor zwei Fehlern beim Beten. Matthew Henry nennt sie Ruhmsucht und leere Wiederholungen: beten, um von Menschen bewundert zu werden, und Worte anhäufen, als ließe Gott sich überreden.

Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten öffentlich. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichstellen. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr ihn bittet.

Mt 6:5–8 · Luther 1912

Adolf Schlatter erklärt das Bild vom Kämmerlein: Im kleinen galiläischen Bauernhaus ließ sich nur die Vorratskammer abschließen. Dort wendet sich der Beter von den Menschen ab und sucht allein Gott. Gemeinsames Gebet verbietet Jesus damit nicht, betont Schlatter, aber wer nicht allein vor Gott beten kann, kann es auch nicht mit anderen.

Warum beten, wenn der Vater ohnehin weiß, was wir brauchen? William MacDonald antwortet: Im Gebet bekennen wir unsere Abhängigkeit von Gott, und Gott tut auf Gebet hin, was Er sonst nicht tun würde.

Wir dürfen mit Zuversicht kommen, nicht weil wir gut genug wären, sondern weil Jesus unser Hoherpriester ist. Darum lädt der Hebräerbrief die Gläubigen ein, freimütig vor den Thron der Gnade zu treten (Hebräer 4:16). Im Namen Jesu zu beten (Johannes 14:13) heißt nicht, Seinen Namen als Formel ans Ende zu setzen. Nach John MacArthur bedeutet es, für Seine Ziele und Seine Ehre zu bitten und sich auf Sein Verdienst zu stützen, nicht auf das eigene.

Auch wenn wir nicht wissen, was wir sagen sollen, sind wir nicht allein. Paulus schreibt, dass der Heilige Geist unserer Schwachheit aufhilft und für uns eintritt (Römer 8:26). Henry bemerkt, dass der Geist uns lehrt, worum wir bitten sollen, und ein Sehnen nach Gott weckt, das oft tiefer ist als Worte.

Jesus gab uns ein Vorbild

Gleich nach Seiner Warnung gab Jesus den Jüngern das Vaterunser (Matthäus 6:9–13). Henry schreibt, wir seien nicht an diese Worte allein gebunden, doch es sei sehr gut, sie zu beten, wenn man sie mit Verstand betet. Das Gebet zeigt auch die richtige Reihenfolge:

  • Zuerst Gottes Ehre. Die ersten Bitten gelten Gott: dass Sein Name geheiligt werde, Sein Reich komme und Sein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Gottes Sache steht vor unseren Wünschen.
  • Dann unsere Bedürfnisse. Erst danach bitten wir um das tägliche Brot, um Vergebung, wie wir anderen vergeben, und um Schutz vor Versuchung und Bösem. Nichts ist zu alltäglich, um es Gott zu sagen.

Du musst dieser Ordnung nicht mechanisch folgen. Aber wenn du nicht weißt, was du beten sollst, gibt sie dir einen Anfang. Jede Bitte ist erklärt in Das Vaterunser: Text und Bedeutung.

Bring alles zu Gott

Paulus fordert die Gläubigen auf, ihre Sorgen in Gebet zu verwandeln.

Sorget nichts! sondern in allen Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu!

Phil 4:6–7 · Luther 1912

MacArthur schreibt, dass Sorge einen Mangel an Vertrauen in Gottes Weisheit und Macht verrät und dass Lob und das Nachdenken über Gottes Wort das beste Gegenmittel sind. Großes und Kleines darfst du vor Gott bringen, mit Dank für das, was Er schon getan hat. Die Verheißung lautet nicht, dass jedes Problem sofort verschwindet, sondern dass Gottes Friede Herz und Gedanken bewahrt.

betet ohne Unterlaß,

1. Thess 5:17 · Luther 1912

Ohne Unterlass zu beten heißt nach MacArthur nicht, ununterbrochen Worte zu sprechen, sondern beharrlich und regelmäßig zu beten. Henry verbindet es mit beständiger Freude und Dank in allem. Jesus erzählte das Gleichnis von der Witwe, die einem ungerechten Richter keine Ruhe ließ, damit Seine Jünger allezeit beten und nicht müde werden (Lukas 18:1).

Und das ist die Freudigkeit, die wir haben zu ihm, daß, so wir etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns.

1. Joh 5:14 · Luther 1912

Dieser Vers schenkt Zuversicht und Demut zugleich. Gott hört Seine Kinder, und wir dürfen frei bitten. Doch wie Henry schreibt, beten wir in Unterordnung unter Gottes Willen: Manches wird schnell erhört, anderes auf die beste Weise, wenn auch nicht so, wie wir gebeten haben.

So kannst du heute anfangen

Wenn Beten dir noch fremd ist, fang klein an und bleib dran:

  • Such dir eine stille Zeit. Jesus stand lange vor Tagesanbruch auf, um an einem einsamen Ort zu beten (Markus 1:35; Lukas 5:16). Henry zieht daraus die Lehre, dass gerade viel beschäftigte Menschen Zeit allein mit Gott brauchen.
  • Sei ehrlich und einfach. Du brauchst keine fromme Sprache. Gott achtet auf das Herz, nicht auf die Länge der Worte.
  • Bete für andere. Bring deine Familie, Freunde, Gemeinde und auch Menschen, die schwer zu lieben sind, vor Gott.
  • Bete mit anderen. Jesus verhieß Seine Gegenwart, wo zwei oder drei in Seinem Namen versammelt sind (Matthäus 18:20). Er sprach diese Worte über die Gemeinde, die einen Streit klärt, doch Henry bezieht sie auf jede Versammlung von Gläubigen in Christi Namen.

Gebet wächst wie jede Beziehung: durch gemeinsame Zeit. Du wirst dich beim Beten nicht immer nah bei Gott fühlen. Komm trotzdem weiter zu Ihm wie ein Kind zu seinem liebenden Vater und vertraue darauf, dass Er dich hört.