Was sagt die Bibel über Engel?

Kurze Antwort

Die Bibel lehrt, dass Engel geschaffene Geister sind, die Gott dienen und seinen Willen ausführen, auch indem sie Glaubenden helfen und sie behüten. Sie sind real, aber sie sind Diener und keine Rivalen Christi; zu ihnen zu beten, fordert die Bibel nicht.

Von Engeln ist vom ersten bis zum letzten Buch der Bibel die Rede, und im Lauf der Zeit hat sich um sie viel Volksglaube angesammelt: geflügelte Kinder, leuchtende Gestalten, Seelen Verstorbener. Die Bibel selbst ist zurückhaltender und klarer. Sie sagt, wer Engel sind, was sie tun und wie sie zu Jesus stehen, und lässt manche Fragen bewusst offen.

Wer Engel sind

Am knappsten fasst der Hebräerbrief zusammen, was ein Engel ist.

Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit?

Hebr 1:14 · Luther 1912

Albert Barnes weist darauf hin, dass selbst der höchste Engel das vergleichsweise bescheidene Amt eines dienenden Geistes hat, der Gottes Willen ausführt. John Wesley bemerkt, dass Engel vor Gott dienen und zu den Menschen gesandt werden, mit vielen Aufgaben des Schutzes, der Fürsorge und der Güte. Matthew Henry erklärt, dass Christus der Schöpfer der Engel ist; sie sind also Geschöpfe, keine Götter.

Das ist wichtig, weil die Leser des Hebräerbriefs versucht waren, Engel zu hoch zu stellen. William MacDonald erinnert daran, dass das jüdische Volk sie sehr achtete, da das Gesetz durch Engel gegeben wurde. Henry ergänzt, dass manche in ihnen Mittler zwischen Gott und Menschen sahen und ihnen sogar eine Art Verehrung entgegenbrachten. Der Hebräerbrief antwortet: Jesus, der Sohn, ist weit größer als jeder Engel. Sie dienen ihm, und die Bibel fordert nirgends dazu auf, zu ihnen zu beten.

Engel in der Geschichte Jesu

Eine auffällige Rolle spielen Engel in der Weihnachtsgeschichte, die sie den Hirten verkünden.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Lk 2:13–14 · Luther 1912

John MacArthur weist darauf hin, dass das Wort für „Heer“ ein Heerlager beschreibt und dass die Zahl des himmlischen Heeres das menschliche Fassungsvermögen übersteigen kann. Der Friede, den sie verkünden, sei nicht Weltfrieden, sondern Friede mit Gott, der durch die Rechtfertigung kommt. William MacDonald nennt den Lobgesang einen Widerschein der vollen Bedeutung der Geburt des Kindes. Der Hebräerbrief zeigt dieselbe Szene von oben (Hebräer 1:6): Die Neue Genfer Studienbibel bezieht den Vers darauf, dass Engel dem Sohn dienten, als er in die Welt kam.

Beschützen uns Engel?

Viele haben gehört, dass jeder Glaubende einen Schutzengel hat. Die Bibel sagt deutlich, dass Engel Gottes Volk helfen und es behüten, ist bei der Vorstellung „einer pro Person“ aber weniger eindeutig.

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

Ps 91:11 · Luther 1912

Adam Clarke liest darin die Zusage, dass Gottes Engel den Glaubenden begleiten, verteidigen und bewahren. MacArthur erinnert außerdem daran, dass der Satan genau diese Zusage falsch zitierte, als er Jesus versuchte (Matthäus 4:6). Sie gilt denen, die Gott vertrauen, und ist keine Einladung, ihn auf die Probe zu stellen.

Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.

Mt 18:10 · Luther 1912

Hier lesen Christen den Text unterschiedlich. MacArthur sagt, der Vers bedeute nicht, dass jeder Glaubende einen persönlichen Schutzengel habe; vielmehr dienten Engel allen Glaubenden und seien stets bereit, Gottes Befehle zu hören. Die Neue Genfer Studienbibel stimmt zu, dass die Schrift vom Schutz und Dienst der Engel für Gottes Volk spricht, nennt den verbreiteten Glauben an einen persönlichen Schutzengel aber eine Vorstellung, die über die biblischen Angaben hinausgeht. MacDonald hält die Engel hier dagegen wahrscheinlich für Schutzengel (vergleiche Hebräer 1:14). Einig sind sich alle darin, dass Gottes Fürsorge für sein Volk real ist und niemand, der zu ihm gehört, übersehen wird.

Was das für uns bedeutet

Engel sollen uns zu Gott führen, nicht zu sich selbst. Sie sind seine Diener, und ihre Freude ist, dass sein Wille geschieht. Der Trost dieser Stellen lautet nicht „ein Engel wacht über mich“, sondern „der Gott, der die Engel geschaffen hat, wacht über mich und sendet Hilfe, wenn er es will“.

So können wir Gott für die unsichtbare Hilfe danken, ihn beim Wort nehmen, statt ihn zu prüfen, und den Blick auf Jesus richten, dem Engel und Menschen ihre Anbetung schulden.