Das Buch Hiob: Zusammenfassung und Bedeutung

Kurze Antwort

Das Buch Hiob erzählt von einem gerechten Mann, der Besitz, Kinder und Gesundheit verlor und Gott dennoch nicht verfluchte. Seine Freunde behaupteten, er leide wegen seiner Sünden, doch schließlich sprach Gott aus dem Sturm zu Hiob, zeigte ihm seine Weisheit und Macht, und Hiob beugte sich und vertraute ihm. Das Buch lehrt, dass Gott weise und gut ist, auch wenn wir nicht wissen, warum wir leiden.

Das Buch Hiob stellt eine der ältesten Fragen an Gott in Form einer Geschichte: Warum leidet ein gerechter Mensch? Anfang und Schluss sind in Prosa geschrieben, der lange Mittelteil, von Kapitel 3 bis zum Anfang von Kapitel 42, ist Dichtung: eine Folge von Reden, in denen Hiob und seine Freunde mit seinem Schmerz ringen. John MacArthur weist darauf hin, dass Hiob seinen Reichtum wie die Erzväter in Herden maß, und Matthew Henry setzte ihn in die Nähe der Zeit Abrahams.

Ein Gerechter und eine Prüfung, die er nicht sah (Hiob 1–2)

Das Buch stellt zuerst seine Hauptperson vor.

Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Derselbe war schlecht und recht, gottesfürchtig und mied das Böse.

Hiob 1:1 · Luther 1912

Die Neue Genfer Studienbibel erklärt, dass diese Worte nicht bedeuten, Hiob sei ohne Sünde gewesen, sondern dass er aufrichtig nach Gerechtigkeit strebte. MacArthur ergänzt, dass Hiob ein fürsorglicher Ehemann und Vater war, der sogar Opfer für seine Kinder darbrachte, falls sie gesündigt hätten (Hiob 1:5).

Dann wechselt die Szene in den Himmel. Satan, dessen Name „Widersacher“ bedeutet, behauptet, Hiob diene Gott nur, weil Gott ihn gesegnet und beschützt habe. Gott erlaubt Satan, Hiob alles zu nehmen, ihn selbst aber nicht anzutasten (Hiob 1:6–12). MacArthur betont, dass weder Hiob noch seine Freunde je von diesem Gespräch erfuhren. Die Neue Genfer Studienbibel hält fest, dass Satan nur in den Grenzen handeln kann, die Gott ihm setzt. Henry sieht in der Szene, wie sehr Satan die Frommen hasst und wie fest Gott ihn im Zaum hält.

An einem einzigen Tag verliert Hiob Rinder, Esel, Schafe, Kamele und Knechte, und ein Sturm tötet alle zehn Kinder (Hiob 1:13–19). Hiobs Antwort gehört zu den bekanntesten Stellen der Bibel.

Da stand Hiob auf und zerriß sein Kleid und raufte sein Haupt und fiel auf die Erde und betete an und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt. In diesem allem sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott.

Hiob 1:20–22 · Luther 1912

MacArthur bemerkt, dass Hiob die ersten Nachrichten gefasst aufnahm, beim Tod seiner Kinder aber alle Zeichen der Trauer zeigte. Und doch betete er an, statt zu fluchen. Henry schreibt, Hiob sei nicht gefühllos wie ein Stein gewesen, habe aber auch im Schmerz nichts Unwürdiges getan.

Es folgt eine zweite Prüfung: Hiob wird mit schmerzhaften Geschwüren von Kopf bis Fuß geschlagen, und seine Frau rät ihm, Gott zu fluchen und zu sterben. Er antwortet, man müsse von Gott das Gute und auch das Böse annehmen (Hiob 2:7–10). MacArthur erinnert daran, dass man Hiobs spätere Reden nur versteht, wenn man an die ständigen körperlichen Schmerzen denkt, die er ertrug.

Hiob und seine Freunde (Hiob 3–37)

Drei Freunde, Elifas, Bildad und Zofar, kommen, um Hiob zu trösten, und sitzen sieben Tage schweigend bei ihm (Hiob 2:11–13). Dann bricht Hiob das Schweigen und verflucht den Tag seiner Geburt (Hiob 3:1–3).

Es folgen drei Redegänge. Die Freunde verteidigen einen Gedanken: Gott belohnt die Gerechten und bestraft die Gottlosen schon in diesem Leben, also muss Hiob gesündigt haben. Hiob beteuert seine Unschuld, klagt bitter und verlangt, dass Gott ihm antwortet. In einem seiner dunkelsten Augenblicke sagt er etwas Erstaunliches.

Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt; und als der letzte wird er über dem Staube sich erheben. Und nachdem diese meine Haut zerschlagen ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott sehen.

Hiob 19:25–26 · Luther 1912

MacArthur schreibt, dass Hiobs Glaube gerade in der tiefsten Verzweiflung seinen Höhepunkt erreichte, als er Gott seinen Erlöser nannte. Die Neue Genfer Studienbibel erklärt, dass das hebräische Wort einen Beistand oder verwandten Löser meint und Hiob sich nach einem Mittler zwischen sich und Gott sehnte.

Danach redet der jüngere Elihu ausführlich (Hiob 32–37). MacArthur findet ihn zornig und hart gegenüber Hiob, auch wenn er einige neue Gedanken einbringt. Die Neue Genfer Studienbibel bemerkt, dass Elihu im Unterschied zu den drei Freunden erkennt, dass Leid auch erziehen und läutern kann.

Gott antwortet aus dem Sturm (Hiob 38–42)

Endlich spricht der Herr.

Und der HERR antwortete Hiob aus dem Wetter und sprach: Wer ist der, der den Ratschluß verdunkelt mit Worten ohne Verstand? Gürte deine Lenden wie ein Mann; ich will dich fragen, lehre mich! Wo warest du, da ich die Erde gründete? Sage an, bist du so klug!

Hiob 38:1–4 · Luther 1912

William MacDonald merkt an, dass der Sturm im Alten Testament immer wieder Gotteserscheinungen begleitet und dass Gottes Worte nach dem langen Wortstreit wie eine Erlösung wirken. MacArthur und die Neue Genfer Studienbibel betonen, dass Gott Hiob den Grund seines Leidens nie nennt und Satans Herausforderung nicht erwähnt. Stattdessen stellt er Frage um Frage zur Erschaffung der Erde, zum Meer, zum Licht, zum Wetter und zu den Tieren (Hiob 38, Hiob 39). Wenn Hiob nicht so weise und mächtig ist wie Gott, fasst MacArthur zusammen, sollte er ihm vertrauen. Hiob antwortet:

Ich erkenne, daß du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Wer ist der, der den Ratschluß verhüllt mit Unverstand?« Darum bekenne ich, daß ich habe unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. So höre nun, laß mich reden; ich will dich fragen, lehre mich! Ich hatte von dir mit den Ohren gehört; aber nun hat dich mein Auge gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche.

Hiob 42:2–6 · Luther 1912

MacDonald erklärt, dass Hiob Gott nicht mit leiblichen Augen sah, aber eine so lebendige Offenbarung seiner Weisheit und Macht empfing, dass es einem Schauen gleichkam. MacArthur bemerkt, dass sich an Hiobs Lage in diesem Augenblick noch nichts geändert hatte. Verändert war sein Herz: Er hörte auf, Gott anzuklagen, und beugte sich vor ihm.

Der Schluss überrascht. Gott tadelt die drei Freunde, weil sie nicht recht von ihm geredet haben wie Hiob, und Hiob betet für sie (Hiob 42:7–9). MacArthur erklärt, dass nicht alles falsch war, was die Freunde sagten, aber sie stellten Gottes Wesen falsch dar und beschuldigten Hiob zu Unrecht. Dann stellt Gott Hiob wieder her und gibt ihm doppelt so viel wie zuvor (Hiob 42:10–17).

Was das Buch Hiob lehrt

Das Neue Testament stellt Hiob als Vorbild hin.

Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Die Geduld Hiobs habt ihr gehört, und das Ende des HERRN habt ihr gesehen; denn der HERR ist barmherzig und ein Erbarmer.

Jak 5:11 · Luther 1912

MacDonald schreibt, dass kaum ein Mensch in so kurzer Zeit so viel verloren hat und Hiob sich dennoch nicht von Gott abwandte, und am Ende erwies sich Gott als barmherzig. MacArthur ergänzt, dass Gott, wie bei Hiob, ein Ziel verfolgt, wenn seine Kinder leiden.

Das Buch Hiob warnt vor dem schnellen Schluss, jedes Unglück sei die Strafe für eine bestimmte Sünde: Das war der Irrtum der Freunde. Es zeigt, dass Gott über allem steht, sogar über Satan, und dass ein Gläubiger ihm ehrliche Klage und schwere Fragen bringen darf. Vor allem lehrt es Vertrauen, wenn keine Erklärung kommt. Hiob bekam keine Antworten, er begegnete Gott, und das genügte. Mehr dazu unter Warum lässt Gott Leid zu?