Die Zehn Gebote: Liste, Reihenfolge und Bedeutung
Kurze AntwortDie Zehn Gebote sind die Gebote, die Gott Israel am Berg Sinai gab und auf zwei Steintafeln schrieb: Die ersten betreffen unsere Liebe zu Gott, die übrigen unsere Liebe zu den Mitmenschen. Jesus fasste sie in zwei großen Geboten zusammen: Gott von ganzem Herzen lieben und den Nächsten wie sich selbst.
Die Zehn Gebote sind die bekanntesten Gebote der Bibel. Gott gab sie Israel am Berg Sinai, kurz nachdem er sein
Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte. Sie sind zweimal überliefert: zuerst am Sinai und noch einmal, als
Mose das Gesetz einer neuen Generation vor dem Einzug ins verheißene Land wiederholte (2. Mose 20:1–17;
5. Mose 5:6–21).
Gott selbst schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln (2. Mose 31:18). Ihr hebräischer Name bedeutet wörtlich „die
zehn Worte“ (2. Mose 34:28); daher stammt ihr anderer Name, der Dekalog.
Zuerst rettet Gott, dann gebietet er
Bevor Gott ein einziges Gebot gibt, erinnert er Israel daran, wer er ist und was er schon für sie getan hat. Er ist
der Herr, der sie aus Ägypten herausgeführt hat, und darum sollen sie keine anderen Götter haben.
Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Mo 20:2–3 · Luther 1912
Die Reihenfolge ist wichtig. Gott sagte nicht: „Haltet diese Gebote, dann befreie ich euch.“ Er befreite sein Volk
zuerst und zeigte ihm dann, wie es als sein Volk leben soll. Matthew Henry zieht daraus den Schluss: Israel schuldete
seinen Gehorsam dem, dem es seine Freiheit verdankte, so wie Christen Christus dienen, der sie aus der Knechtschaft
der Sünde befreit hat. Die Gebote sind keine Leiter, auf der man sich Gottes Gunst verdient. Sie beschreiben das
Leben derer, die Gott bereits gerettet hat.
Die Zehn Gebote in Kürze
In einfachen Worten sagen die Gebote:
- Du sollst keine anderen Götter neben dem Herrn haben.
- Du sollst dir keine Götzenbilder machen und dich nicht vor ihnen niederwerfen.
- Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
- Halte den Sabbat als heiligen Ruhetag.
- Ehre deinen Vater und deine Mutter.
- Du sollst nicht morden.
- Du sollst nicht die Ehe brechen.
- Du sollst nicht stehlen.
- Du sollst kein falsches Zeugnis gegen deinen Nächsten ablegen.
- Du sollst nichts begehren, was deinem Nächsten gehört.
Die Bibel spricht von zehn Geboten, nummeriert sie aber nicht, deshalb zählen die Kirchen sie unterschiedlich. Die
Liste oben verwenden die meisten reformierten und freikirchlichen sowie die orthodoxen Kirchen. Die katholische und
die lutherische Tradition fassen die Gebote über andere Götter und Bilder zu einem zusammen und teilen das letzte in
zwei, und die jüdische Tradition zählt Gottes einleitende Worte über die Befreiung aus Ägypten als eigenes Gebot. Der
Inhalt ist derselbe, nur die Zählung unterscheidet sich.
William MacDonald erinnert daran, dass Jesus selbst die Gebote in zwei Teile gliederte: Liebe zu Gott und Liebe zum
Nächsten. Manche rechnen die ersten vier Gebote zum ersten Teil, andere auch das fünfte; MacDonald bemerkt, dass der
Ausdruck „der Herr, dein Gott“ in den ersten fünf Geboten steht. So oder so gehören beide Tafeln zusammen: Wir können
Gott nicht wirklich lieben und dabei unseren Nächsten übersehen.
Jesus fasste sie in der Liebe zusammen
Als ein Gesetzeslehrer Jesus fragte, welches das größte Gebot sei, nannte er zwei: Gott lieben von ganzem Herzen,
von ganzer Seele und von ganzem Verstand, und den Nächsten lieben wie sich selbst. An diesen beiden hängen das ganze
Gesetz und die Propheten.
Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst 25 lieben Gott, deinen HERRN, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist ihm gleich; »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen zwei Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten.
Mt 22:37–40 · Luther 1912
Adolf Schlatter betont, dass die Liebe zu Gott nicht eine Pflicht neben vielen anderen ist, sondern die ganze Pflicht,
die das ganze Leben in Gottes Bahn bringt. Jesus schaffte die Zehn Gebote also nicht ab, er zeigte ihren Kern. Paulus
sagt dasselbe: Die Gebote gegen Ehebruch, Mord, Diebstahl und Begehren sind in dem einen zusammengefasst, den
Nächsten zu lieben.
Denn was da gesagt ist: «Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; dich soll nichts gelüsten,« und so ein anderes Gebot mehr ist, das wird in diesen Worten zusammengefaßt: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Röm 13:9 · Luther 1912
Jesus zeigte auch, wie tief die Gebote reichen (Matthäus 5:21–22; Matthäus 5:27–28). Matthew Henry erklärt,
dass die jüdischen Lehrer jener Zeit nur den tatsächlichen Mord als Bruch des sechsten Gebots sahen; Christus stellte
seine volle Bedeutung wieder her: Jeder unbedachte Zorn ist Mord im Herzen. Ebenso verletzt nicht nur Ehebruch,
sondern schon der begehrliche Blick das siebte Gebot. Gott sieht nicht nur auf unsere Taten, sondern auf unser Herz.
Was die Gebote können und was nicht
Die Gebote sind heilig und gut (Römer 7:12). Sie zeigen, wie Gott ist und wie das Leben gedacht ist. Aber sie
zeigen auch etwas Unbequemes: Keiner von uns hält sie vollkommen. Paulus gesteht, dass er sein Begehren ohne das
Gebot dagegen nicht als Sünde erkannt hätte (Römer 7:7). Das Gesetz macht uns die Sünde bewusst, aber es kann
uns nicht vor Gott gerecht machen.
darum, daß kein Fleisch durch des Gesetzes Werke vor ihm gerecht sein kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.
Röm 3:20 · Luther 1912
MacDonald vergleicht das Gesetz mit einem Spiegel: Er zeigt den Schmutz im Gesicht, ist aber nicht dazu da, ihn
abzuwaschen. Gerecht vor Gott werden wir nicht durch das Halten des Gesetzes, sondern durch den Glauben an Jesus
Christus (Galater 2:16). Er hat das Leben vollkommener Liebe gelebt, das das Gesetz beschreibt, und ist für die
gestorben, die es gebrochen haben.
Was sie für Christen heute bedeuten
Christen werden nicht gerettet, indem sie die Zehn Gebote halten, und doch bleiben die Gebote wichtig. Ihre
ethische Lehre – Gott allein anbeten, andere ehren, treu bleiben und die Wahrheit sagen – zieht sich durch das ganze
Neue Testament. Gott hat versprochen, sein Gesetz nicht nur auf Steintafeln, sondern in die Herzen seines Volkes zu
schreiben (Jeremia 31:33). Jesus sagte es einfach: Wer ihn liebt, hält seine Gebote.
Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote.
Joh 14:15 · Luther 1912
Das vierte Gebot verstehen Christen und auch Ausleger unterschiedlich. John MacArthur meint, dass das Neue Testament
von Christen nicht verlangt, den wöchentlichen Sabbat zu halten; der Sabbat war ein Schatten, der auf Christus wies
(Kolosser 2:16–17). MacDonald sieht darin ein Bild der Ruhe, die Gläubige in Christus finden und einmal ganz
genießen werden (Hebräer 4:9–10). Matthew Henry dagegen hält es für eine bleibende sittliche Pflicht, Zeit für
Gott auszusondern, die Christen am Sonntag, dem Tag der Auferstehung, erfüllen. Manche Christen halten den Samstag,
die meisten feiern Gottesdienst am Sonntag.
Die Zehn Gebote sind keine alte Liste zum Abhaken. Sie sind ein Bild des Lebens, für das Gott uns geschaffen hat:
ihn über alles lieben und den Nächsten wie uns selbst. Wo wir versagen, schenkt Jesus Vergebung, und durch seinen
Geist hilft er uns, diesen Weg der Liebe zu gehen. Für alle, die Gott lieben, sind seine Gebote nicht schwer
(1. Johannes 5:3).