Gibt es Widersprüche in der Bibel?
Die Bibel versteht sich als reines, verlässliches Wort Gottes, und Christen glauben, dass sie sich nicht widerspricht. Es gibt schwer verständliche Stellen und Berichte, die in Einzelheiten abweichen, doch ein Unterschied im Erzählten ist kein Fehler. Die meisten scheinbaren Widersprüche lösen sich, wenn man den Zusammenhang liest.
Viele lesen die Bibel mit einer Liste von „Widersprüchen“ im Kopf: In einem Bericht sind es zwei Männer, im anderen einer; zwei Evangelien nennen unterschiedliche Einzelheiten. Die Frage verdient eine ehrliche Antwort. Schauen wir zuerst, was die Bibel über sich selbst sagt, und dann, wie schwierige Stellen tatsächlich funktionieren.
Was die Bibel über sich selbst sagt
David beschreibt die Worte des Herrn in einem eindrücklichen Bild.
(Die Rede des HERRN ist lauter wie durchläutert Silber im irdenen Tiegel, bewähret siebenmal.
Ps 12:7 · Luther 1912
Jamieson, Fausset und Brown verstehen die Reinheit dieser Worte als Freiheit von jeder Beimischung von Irrtum, anders als Erz, aus dem erst Schlacke entfernt werden muss. Die Neue Genfer Studienbibel deutet das siebenfach geläuterte Silber als vollständig gereinigt. John MacArthur ergänzt, dass die Reinheit von Gottes Wesen die Reinheit seiner Zusagen sichert.
So ging auch Jesus mit der Schrift um. Im Streit mit seinen Gegnern berief er sich auf ein einzelnes Wort des Alten Testaments und nannte einen Grundsatz.
So er die Götter nennt, zu welchen das Wort geschah, und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden,
Joh 10:35 · Luther 1912
MacArthur sieht in diesen Worten eine Bestätigung der absoluten Genauigkeit und Autorität der Schrift. William MacDonald fügt hinzu, dass der Herr hier seinen Glauben an die Inspiration des Alten Testaments ausspricht.
Über den Ursprung der Schrift spricht Paulus in seinem letzten Brief.
Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit,
2. Tim 3:16 · Luther 1912
Nach der Neuen Genfer Studienbibel ist Gott die Quelle und letztlich der Autor der Schrift: Menschen schrieben sie, aber vom Heiligen Geist inspiriert, darum hat sie göttliche Autorität. MacArthur ergänzt, dass Gott meist Verstand, Wortschatz und Erfahrung der Verfasser nutzte, um sein Wort weiterzugeben, und dass die Inspiration den Schriften gilt, nicht den Autoren als Personen. Deshalb zeigt die Bibel menschlichen Stil und verschiedene Blickwinkel und bleibt doch Gottes Wort.
Schwer verständlich heißt nicht widersprüchlich
Petrus selbst räumt ein, dass die Schrift Schwierigkeiten hat.
wie er auch in allen Briefen davon redet, in welchen sind etliche Dinge schwer zu verstehen, welche die Ungelehrigen und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis.
2. Petr 3:16 · Luther 1912
Beachten Sie, wie Petrus sie nennt: schwer zu verstehen, nicht falsch. MacDonald schreibt mit einem Zitat von Albert Barnes, die Schwierigkeit liege nicht in der Schreibweise des Paulus, sondern in der Größe der Wahrheiten, die er lehrte. Er nennt als Beispiele die Dreieinigkeit, Gottes Erwählung und die menschliche Freiheit sowie das Geheimnis des Leidens und sagt, wir sollten uns nicht verunsichern lassen, wenn wir Fragen finden, die unser Verständnis übersteigen: Gottes Wort ist unerschöpflich. Petrus stellt die Briefe des Paulus außerdem auf eine Stufe mit den übrigen Schriften, und die Neue Genfer Studienbibel merkt an, das entspreche der Einheit der apostolischen Autorität.