Welche Bibelübersetzung ist die beste?

Kurze Antwort

Die eine beste Übersetzung für alle gibt es nicht. Wörtliche Übersetzungen wie die Elberfelder bleiben näher am Wortlaut des Urtextes, freiere wie „Hoffnung für alle“ lesen sich leichter. Die beste Wahl ist eine treue Übersetzung, die Sie tatsächlich lesen, ab und zu verglichen mit einer zweiten.

Das Alte Testament wurde überwiegend auf Hebräisch geschrieben, einige Abschnitte auf Aramäisch, das Neue Testament auf Griechisch. Nur wenige Leser beherrschen diese Sprachen, deshalb begegnen fast alle der Bibel in einer Übersetzung. Daraus ergibt sich eine berechtigte Frage: Bei so vielen Übersetzungen im Regal, welche soll man wählen?

Übersetzen ist so alt wie das Bibellesen

Gottes Wort in einer anderen Sprache zu lesen, ist kein moderner Notbehelf. Etwas Ähnliches geschieht schon in der Bibel selbst. Nach dem Exil las Esra den Bewohnern Jerusalems das Gesetz vor, und die Leviten halfen ihnen, es zu verstehen:

Und sie lasen im Gesetzbuch Gottes klar und verständlich, daß man verstand, was gelesen ward.

Neh 8:8 · Luther 1912

Die Ausleger verstehen diesen Vers auf zwei Weisen. Albert Barnes und John Wesley meinen, zum Erklären des Sinnes habe die Übertragung des Hebräischen ins Aramäische gehört, an das sich viele in Babylon gewöhnt hatten. John MacArthur sieht darin vor allem eine Erklärung in einfachen Worten. So oder so ist der Kern derselbe: Gottes Wort soll von gewöhnlichen Menschen verstanden werden.

Im Neuen Testament las ein Kämmerer aus Äthiopien auf dem Heimweg den Propheten Jesaja, als Philippus zu seinem Wagen kam:

Da lief Philippus hinzu und hörte, daß er den Propheten Jesaja las, und sprach: Verstehst du auch, was du liesest? Er aber sprach: Wie kann ich, so mich nicht jemand anleitet? Und ermahnte Philippus, daß er aufträte und setzte sich zu ihm.

Apg 8:30–31 · Luther 1912

Barnes bemerkt, dass die in dieser Geschichte zitierten Worte Jesajas (Apostelgeschichte 8:32–33) der Septuaginta folgen, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments aus der Zeit vor Christus. Adam Clarke vermutet, dass der Kämmerer Jesaja in dieser griechischen Fassung las, während andere Ausleger annehmen, er habe den hebräischen Text gelesen. Hat Clarke recht, dann fand einer der ersten Bekehrten der Apostelgeschichte durch eine Bibelübersetzung zu Christus.

Was eine Übersetzung treu macht

Paulus erinnert Timotheus daran, woher die Schrift kommt:

Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit,

2. Tim 3:16 · Luther 1912

MacArthur erklärt, dass das Wort wörtlich „von Gott gehaucht“ bedeutet. Gott gebrauchte den Verstand, den Wortschatz und die Erfahrung der menschlichen Verfasser, und was sie schrieben, ist sein Wort. Eine Übersetzung fügt dieser Eingebung nichts hinzu. Ihre Aufgabe ist es, den Sinn dessen, was Gott gegeben hat, so genau und klar wie möglich in eine andere Sprache zu tragen.

Gerade dieser Vers zeigt, vor welchen Entscheidungen Übersetzer stehen. Clarke meint, das Griechische sei besser so wiederzugeben: Jede von Gott eingegebene Schrift ist nütze. MacArthur dagegen begründet mit ähnlichen griechischen Wendungen, dass die vertraute Wiedergabe, die alle Schrift als von Gott eingegeben bezeichnet, genau ist. Beide sind sich einig, dass die Schrift von Gott kommt. Solche Fragen wägen Übersetzer in fast jedem Kapitel ab. Darum können treue Übersetzungen im Wortlaut voneinander abweichen und doch dasselbe lehren.

Wörtlich oder sinngemäß

Übersetzer folgen zwei Grundansätzen, und die meisten Bibeln liegen irgendwo dazwischen.

  • Formale Äquivalenz, also eine wörtliche Übersetzung, hält sich möglichst eng an Wörter und Satzbau des Urtextes. Sie eignet sich für genaues Studium, kann aber steif klingen.
  • Dynamische Äquivalenz, also eine sinngemäße oder kommunikative Übersetzung, gibt den Sinn in natürlicher heutiger Sprache wieder. Sie liest sich leicht, doch die Übersetzer treffen mehr Auslegungsentscheidungen für den Leser.

Unter den bekannten deutschen Bibeln ist die Lutherbibel der Klassiker, heute in der Revision von 2017. Die Elberfelder Bibel und die Schlachter 2000 gelten als besonders urtextnah. Die Neue Genfer Übersetzung sucht einen Mittelweg zwischen Treue zum Urtext und gutem Deutsch, und „Hoffnung für alle“ ist eine freie, sehr leicht lesbare Übertragung.

Wie man wählt

  • Wählen Sie eine treue Übersetzung. Bevorzugen Sie eine, die von qualifizierten Übersetzern aus dem hebräischen und griechischen Text erarbeitet wurde.
  • Passen Sie die Übersetzung der Aufgabe an. Für genaues Studium hilft eine wörtlichere Übersetzung, weil sie den Aufbau des Textes erkennen lässt. Für längere Leseabschnitte kann eine leichter lesbare Sie bei der Stange halten.
  • Vergleichen Sie Übersetzungen. Wenn zwei Bibeln einen Vers unterschiedlich wiedergeben, zeigen sie Ihnen eine Entscheidung, die die Übersetzer treffen mussten. Lesen Sie den Vers im Zusammenhang oder schlagen Sie ihn in einem Kommentar nach, dann wird der Sinn meist klarer.
  • Lesen Sie die, die Sie wirklich lesen. Wesley schreibt, dass derselbe Geist, der die Schrift eingegeben hat, auch denen beisteht, die sie unter ernstem Gebet lesen. Eine Bibel, die im Regal bleibt, hilft niemandem.

Denken Sie auch an den Kämmerer aus Äthiopien. William MacDonald hebt hervor, wie bereitwillig er zugab, dass er jemanden brauchte, der ihn anleitet. Keine Übersetzung ersetzt Gebet, sorgfältiges Lesen und die Hilfe anderer Christen. Praktische Schritte finden Sie unter Wie studiert man die Bibel?