Bibel lesen für Anfänger: Wo fange ich an?

Kurze Antwort

Beginnen Sie mit einem der Evangelien, etwa Markus oder Johannes, damit Sie zuerst Jesus kennenlernen. Lesen Sie jeden Tag einen kurzen Abschnitt, bitten Sie Gott um Verständnis und lesen Sie gemeinsam mit anderen Christen.

Viele Menschen nehmen sich vor, die Bibel von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Genesis und Exodus lesen sie gern, doch irgendwo in den Gesetzen von Levitikus verlieren sie den Faden und geben still auf. Das heißt nicht, dass die Bibel nichts für sie ist. Sie haben nur eine ganze Bibliothek kennenlernen wollen, indem sie das erste Buch aus dem Regal zogen.

Die Bibel ist eine Sammlung von 66 Büchern ganz unterschiedlicher Art: Erzählungen, Gesetze, Lieder, Prophetien und Briefe. Sie müssen sie nicht der Reihe nach lesen. Ein guter Anfang ist der Punkt, auf den die ganze Bibel zeigt: Jesus Christus.

Beginnen Sie mit der Geschichte von Jesus

Die vier Evangelien erzählen vom Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu. Johannes sagt offen, warum er sein Evangelium geschrieben hat:

Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christus, der Sohn Gottes, und daß ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen.

Joh 20:31 · Luther 1912

Adolf Schlatter erklärt, Johannes wolle uns mit seinem Buch den Namen Jesu ins Herz legen und uns ganz auf Ihn gründen. Matthew Henry fasst zusammen: Es wurde geschrieben, damit wir glauben, dass Jesus der verheißene Messias und Sohn Gottes ist, und durch diesen Glauben ewiges Leben haben.

Wenn Sie neu in der Bibel sind, beginnen Sie mit einem dieser beiden Bücher:

  • Das Markusevangelium ist das kürzeste Evangelium, nur sechzehn Kapitel lang. Mit einem Kapitel am Tag sind Sie in gut zwei Wochen durch (Markus 1).
  • Das Johannesevangelium wurde genau dafür geschrieben, dass Leser an Jesus glauben und Leben haben (Johannes 1).

Danach lesen Sie Lukas und seine Fortsetzung, die Apostelgeschichte, die erzählt, wie die ersten Christen die gute Nachricht in die Welt trugen. Dann gehen Sie zurück zur Genesis, um zu sehen, wie die Geschichte begann, und nehmen ab und zu einen Psalm dazu (Psalm 23). William MacDonald stellt seinen Psalmenkommentar unter ein Wort Calvins, der dieses Buch eine Anatomie aller Bereiche der Seele nannte: Jeder Kummer, jede Angst, jeder Zweifel und jede Hoffnung spiegelt sich darin. Schwierigere Bücher wie Levitikus oder die Offenbarung heben Sie sich für später auf.

Wählen Sie eine Übersetzung in heutiger Sprache, die Sie gut verstehen.

Lesen Sie wenig, aber jeden Tag

Als Gott Josua berief, Israel zu führen, sagte Er ihm, er solle Sein Wort nah bei sich behalten und Tag und Nacht darüber nachsinnen:

Und laß das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, auf daß du haltest und tuest allerdinge nach dem, was darin geschrieben steht. Alsdann wird es dir gelingen in allem, was du tust, und wirst weise handeln können.

Jos 1:8 · Luther 1912

Henry erklärt, Josua sollte Tag und Nacht über das Gesetz nachsinnen, um es zu verstehen, und keine noch so große Aufgabe entband ihn davon. Der erste Psalm beschreibt dieselbe Gewohnheit (Psalm 1:2). Nachsinnen, so Henry, heißt, mit sich selbst über die großen Dinge zu reden, die in Gottes Wort stehen.

Darum ist eine kurze tägliche Lesung besser als eine lange ab und zu. Zehn bis fünfzehn Minuten genügen. Ein paar einfache Gewohnheiten helfen:

  • Wählen Sie Zeit und Ort. Der Morgen, die Mittagspause oder der Abend vor dem Schlafen. Wichtig ist, dass es zur Gewohnheit wird.
  • Lesen Sie langsam und fragen Sie nach. Henry rät, beim Lesen oft innezuhalten und zu fragen, von wem und wovon der Schreiber spricht, und vor allem an den Erlöser zu denken.
  • Behalten Sie einen Vers. Schreiben Sie einen Vers auf, der Sie angesprochen hat, und denken Sie im Lauf des Tages darüber nach.

Wenn Sie einen Tag verpassen, geben Sie nicht auf und versuchen Sie nicht, alles nachzuholen. Lesen Sie einfach dort weiter, wo Sie aufgehört haben.

Beten und mit anderen lesen

Bitten Sie Gott vor dem Lesen um Hilfe, wie der Psalmbeter bat, Gott möge ihm die Augen öffnen für die Wunder in Seinem Gesetz (Psalm 119:18). Carl Heinrich Rieger bemerkt, dass gerade wer sich in Gottes Wort übt, dessen tiefe Wunder entdeckt und zugleich spürt, wie schwach seine Augen sind, sie zu erkennen.

Es hilft auch, nicht allein zu lesen. Als Paulus in Beröa predigte, nahmen die Zuhörer seine Worte nicht einfach hin:

Diese aber waren edler denn die zu Thessalonich; die nahmen das Wort auf ganz willig und forschten täglich in der Schrift, ob sich’s also verhielte.

Apg 17:11 · Luther 1912

Henry hält fest, dass die Beröer das Gehörte mit der Schrift verglichen, und dass die Lehre Christi eine solche Prüfung nicht zu fürchten braucht.

Als ein äthiopischer Hofbeamter den Propheten Jesaja las, fragte ihn Philippus, ob er verstehe, was er lese, und der Mann gab zu, dass er jemanden brauche, der es ihm erklärt (Apostelgeschichte 8:30–31). Suchen Sie eine Gemeinde, in der die Bibel gelehrt wird, einen Hauskreis oder einen christlichen Freund, der mit Ihnen liest. Haben Sie keine Scheu, Fragen zu stellen.

Eine Leuchte für jeden Schritt

Sie werden nicht alles auf einmal verstehen. Aber jeder Tag mit Gottes Wort gibt Licht für den nächsten Schritt:

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

Ps 119:105 · Luther 1912

Henry schreibt, dass Gottes Wort uns leitet, sowohl bei der Wahl des Weges als auch bei jedem Schritt darauf. Beginnen Sie mit einem Evangelium, lesen Sie jeden Tag ein wenig, beten Sie und gehen Sie den Weg nicht allein. Mit der Zeit merken Sie, dass Sie nicht nur ein Buch lesen, sondern den Gott kennenlernen, der es gegeben hat, und den Sohn, den Er gesandt hat, damit Sie glauben und Leben haben in Seinem Namen.