Psalm 51: Bedeutung des Bußpsalms Davids

Kurze Antwort

Psalm 51 ist Davids Bußgebet nach seinem Ehebruch mit Batseba und dem Tod ihres Mannes Urija. David bekennt seine Schuld ohne Ausreden, bittet Gott um Gnade und ein reines Herz und vertraut darauf, dass Gott ein zerbrochenes, demütiges Herz nicht verachtet.

Psalm 51 ist das bekannteste Bußgebet der Bibel und gehört zu den sieben Bußpsalmen der christlichen Tradition. William MacDonald beschreibt ihn als einen Sturzbach der Reue aus einem zerbrochenen Herzen. In orthodoxen und älteren katholischen Bibeln trägt er die Nummer 50, weil sie der griechischen Zählung der Psalmen folgen; die meisten anderen Bibeln zählen ihn als Psalm 51.

Die Geschichte hinter dem Psalm

Die Überschrift verbindet den Psalm mit einem der dunkelsten Kapitel in Davids Leben: mit der Zeit, als der Prophet Natan zu ihm kam, nachdem er Batseba zu sich genommen hatte. Die Geschichte steht im zweiten Buch Samuel (2. Samuel 11). Während sein Heer im Krieg war, schlief König David mit Batseba, der Frau seines Soldaten Urija. Als sie schwanger wurde, versuchte David, alles zu vertuschen, und sorgte schließlich dafür, dass Urija im Kampf fiel.

Carl Heinrich Rieger bemerkt, dass David seine Sünde lange nicht recht empfand, bis über die Geburt des Kindes hinaus. Dann sandte Gott Natan zu ihm. Der Prophet erzählte von einem reichen Mann, der einem armen Mann sein einziges Lamm wegnahm. David war empört, und Natan erwiderte, dass David selbst dieser Mann sei (2. Samuel 12:1–12). David verteidigte sich nicht.

Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt wider den HERRN. Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.

2. Sam 12:13 · Luther 1912

Natan sagte ihm, Gott habe seine Sünde weggenommen, doch die Folgen würden bleiben: Das Kind, das Batseba geboren hatte, starb (2. Samuel 12:14–18). Keil und Delitzsch lesen Psalm 51 als Davids Ringen darum, die von Natan zugesprochene Vergebung auch innerlich gewiss zu erfassen.

Der Psalm Abschnitt für Abschnitt

Ein Schrei nach Erbarmen. David beginnt nicht mit seiner eigenen Bilanz, sondern mit dem Wesen Gottes.

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. ( Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde.

Ps 51:3–4 · Luther 1912

MacDonald umschreibt Davids Bitte so: Er verdient Strafe, aber er beruft sich auf Gottes überreiche Barmherzigkeit. Keil und Delitzsch erklären die drei Bilder: Sünde als Schuld, die aus dem Buch getilgt werden muss, als eingefressener Schmutz, der ausgewaschen werden muss, und als Aussatz, der für rein erklärt werden muss.

Ein ehrliches Bekenntnis. David versteckt sich nicht mehr und erklärt nichts mehr weg.

(Denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir. (An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan, auf daß du recht behaltest in deinen Worten und rein bleibest, wenn du gerichtet wirst.

Ps 51:5–6 · Luther 1912

David wusste, dass er auch an Batseba und ihrem treuen Mann gesündigt hatte, betont MacDonald. Aber alle Sünde richtet sich zuerst gegen Gott: Sein Gesetz wurde gebrochen, Sein Name entehrt. Deshalb stellt sich David auf Gottes Seite gegen sich selbst. Paulus zitiert diesen Vers, wenn er von Gottes Gerechtigkeit spricht (Römer 3:4). David bekennt außerdem, dass seine Sünde tief in seinem Wesen wurzelt, vom Beginn seines Lebens an (Psalm 51:7). Keil und Delitzsch sehen darin keine Entschuldigung, sondern eine noch tiefere Selbstanklage. Gott aber will Wahrheit im Innersten (Psalm 51:8).

Die Bitte um Reinigung.

Entsündige mich mit Isop, daß ich rein werde; wasche mich, daß ich schneeweiß werde.

Ps 51:9 · Luther 1912

Mit Ysop wurde bei den Reinigungsriten Wasser oder Blut gesprengt, etwa bei einem geheilten Aussätzigen (3. Mose 14:4). Keil und Delitzsch betonen, dass David hier von Gott selbst erbittet, was sonst durch den Priester geschah: Er sucht die Sache, nicht nur das Zeichen. Er sehnt sich danach, wieder Freude und Wonne zu hören (Psalm 51:10), und bittet Gott, Sein Angesicht vor seinen Sünden zu verbergen (Psalm 51:11).

Ein neues Herz. Hier geht das Gebet nach Keil und Delitzsch von der Vergebung zur Erneuerung über.

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem freudigen Geist rüste mich aus.

Ps 51:12–14 · Luther 1912

Das Wort für schaffen ist dasselbe wie im Schöpfungsbericht. David weiß, dass nur Gott sein Herz neu machen kann. Er bittet auch, dass Gott Seinen Heiligen Geist nicht von ihm nehme. Keil und Delitzsch verbinden das mit dem Geist, den David bei seiner Salbung empfing (1. Samuel 16:13), und mit Saul, den Gott verworfen hatte (1. Samuel 16:14). Matthew Henry bemerkt, dass David wusste, dass er den Geist betrübt hatte, und Seinen Rückzug mehr fürchtete als alles andere.

Ein verändertes Leben. Mit der Vergebung endet das Gebet nicht. David verspricht, Übertreter Gottes Wege zu lehren, damit Sünder umkehren (Psalm 51:15). Er nennt seine Schuld beim Namen, Blutschuld, und bittet um Rettung davon, damit er Gottes Gerechtigkeit rühmen kann (Psalm 51:16–17).

Das Opfer, das Gott will.

Denn du hast nicht Lust zum Opfer, ich wollte dir’s sonst wohl geben, und Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstet und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten.

Ps 51:18–19 · Luther 1912

David verwirft die von Gott gebotenen Opfer nicht. MacDonald umschreibt: Gott hat die Opfer eingesetzt, aber sie sind nicht Sein letztes Ziel; das Opfer, das Er sucht, ist ein zerbrochenes Herz. Die Schlussverse zeigen, dass Opfer mit rechter Gesinnung weiter ihren Platz hatten (Psalm 51:20–21).

Über diese letzten Verse mit der Bitte um die Mauern Jerusalems gehen die Meinungen auseinander. Manche Ausleger halten sie für einen späteren Zusatz aus der Zeit des Exils. Keil und Delitzsch halten die Bitte im Mund Davids für möglich, weil am Bau der Stadt damals noch gearbeitet wurde. MacDonald hört darin Davids Sorge, dass seine Sünde Gottes Werk behindert hat.

Was Psalm 51 heute über Umkehr lehrt

Psalm 51 zeigt, wie echte Umkehr aussieht. MacDonald betont: Die Sünde war öffentlich, und so ist auch die Buße öffentlich. David schiebt keine Schuld ab, verharmlost nichts und feilscht nicht, sondern nennt die Sünde beim Namen und verlässt sich ganz auf Gottes Erbarmen.

Das Neue Testament führt diese Hoffnung weiter. Henry schreibt, dass ein zerbrochenes Herz Gott nur durch Jesus Christus angenehm ist. Wer seine Sünden bekennt, kann sich auf Gottes Treue verlassen, zu vergeben und zu reinigen.

So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend.

1. Joh 1:9 · Luther 1912

Jesus erzählte von einem Zöllner, der von ferne stand, an seine Brust schlug und nur um Gnade bat. Er ging gerechtfertigt nach Hause (Lukas 18:13–14). Psalm 51 ist dasselbe Gebet, ausführlich ausgesprochen.

Rieger warnt, dass ein Gewissen, das nur eine Weile schmerzt, noch nicht geheilt ist; Gnade muss tiefer greifen. Man kann den Psalm langsam als eigenes Gebet sprechen, dort innehalten, wo eine Zeile das eigene Herz beschreibt, und eigene Worte hinzufügen.

Umkehr löscht nicht jede Folge aus, wie David erfuhr. Aber sie stellt das Wichtigste wieder her: ein reines Herz, die Freude an Gottes Heil und ein Leben, das andere wieder zu Ihm führen kann. Niemand ist zu weit gegangen für dieses Erbarmen.