Was sind die Zeichen der Endzeit?

Kurze Antwort

Jesus nennt Kriege, Katastrophen, Verfolgung, falsche Lehrer und wachsende Gesetzlosigkeit, nennt sie aber nur den Anfang der Wehen. Niemand kennt den Tag, darum ruft die Bibel zu Wachsamkeit und Hoffnung auf, nicht zum Datumsrechnen.

Jede Generation hat auf ihre eigenen Kriege und Katastrophen geschaut und gefragt, ob das Ende nahe ist. Die Bibel nennt tatsächlich Zeichen, aber nicht, damit wir ein Datum ausrechnen, sondern damit wir wach bleiben und uns nicht fürchten.

Was Jesus angekündigt hat

Auf dem Ölberg fragten die Jünger Jesus, wann der Tempel fallen werde und woran man sein Kommen erkenne. Matthew Henry bemerkt, dass Jesus die Frage nach der Zeit unbeantwortet ließ, die Frage nach den Zeichen aber ausführlich beantwortete: Er wollte seine Jünger vorbereiten, nicht ihre Neugier stillen.

Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen; sehet zu und erschrecket nicht. Das muß zum ersten alles geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das andere, und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder. Da wird sich allererst die Not anheben.

Mt 24:6–8 · Luther 1912

Danach spricht Jesus von Verfolgung, falschen Propheten, wachsender Gesetzlosigkeit und erkaltender Liebe, verspricht Rettung für den, der bis zum Ende durchhält, und kündigt an, dass das Evangelium vom Reich allen Völkern gepredigt wird (Matthäus 24:9–14).

Christen verstehen diese Stelle unterschiedlich. Albert Barnes sieht darin zuerst die Jahre vor der Zerstörung Jerusalems und nennt die gewaltsamen Tode von vier Kaisern innerhalb von anderthalb Jahren, Hungersnöte und Erdbeben. Matthew Henry stimmt zu, dass die Weissagung zuerst Jerusalem betrifft, sagt aber, dass sie auch auf das letzte Gericht vorausblickt. Die Neue Genfer Studienbibel nennt drei Zugänge (nur Jerusalem, nur Wiederkunft oder beides zusammen) und versteht die Zeichen als Beschreibung der ganzen Zeit zwischen Auferstehung und Wiederkunft Christi. John MacArthur erklärt, dass es Kriege und falsche Lehrer immer gibt, sie aber zum Ende hin zunehmen; das Bild der Geburtswehen bedeute, dass die Nöte spürbarer und schwerer werden. William MacDonald ordnet die meisten dieser Ereignisse einer künftigen Drangsalszeit nach der Entrückung der Gemeinde zu.

Allen gemeinsam ist das Wort Jesu selbst: Das alles muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.

Moralischer Verfall und der Schein der Frömmigkeit

Paulus nennt im Brief an Timotheus ein weiteres Zeichen.

Das sollst du aber wissen, daß in den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen. Denn es werden Menschen sein, die viel von sich halten, geizig, ruhmredig, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, ungeistlich, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unkeusch, wild, ungütig, Verräter, Frevler, aufgeblasen, die mehr lieben Wollust denn Gott, die da haben den Schein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie; und solche meide.

2. Tim 3:1–5 · Luther 1912

Von welchen Menschen und welcher Zeit ist die Rede? MacArthur und die Neue Genfer Studienbibel verstehen die „letzten Tage“ als die ganze Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen Christi. Die Liste des Paulus beschreibt also, womit man in dieser ganzen Zeit rechnen muss, und es wird nach und nach dunkler.

Beachten Sie, wo die Gefahr liegt. Matthew Henry schreibt, die Zeiten seien gefährlich durch Verfolgung von außen, noch mehr aber durch Verderbnis von innen. MacArthur hebt hervor, dass falsche Lehrer und ihre Anhänger gerade deshalb gefährlich sind, weil ihre Lehre dem Christentum äußerlich ähnelt und ihr Leben tugendhaft wirkt. Der Rat des Paulus ist kurz: Wende dich von ihnen ab.

Tag und Stunde kennt niemand

Viele haben versucht, das Datum aus den Zeichen zu errechnen. Jesus hat diese Tür geschlossen.

Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, sondern allein mein Vater.

Mt 24:36 · Luther 1912

Barnes erklärt: Jesus gab allgemeine Zeichen, so wie ein austreibender Feigenbaum den nahen Sommer anzeigt, aber nicht den genauen Zeitpunkt. Die Neue Genfer Studienbibel sagt, diese Worte schnitten alle Versuche ab, die Wiederkunft vorherzusagen, und MacDonald nennt sie eine Warnung davor, Termine festzulegen oder denen zu glauben, die es tun. MacArthur ergänzt, dass die Jünger den genauen Zeitpunkt wissen wollten, Jesus aber Treue, Wachsamkeit und Bereitschaft betont, worum es auch in den folgenden Gleichnissen geht.

Was wir mit den Zeichen tun sollen

Jesus will nicht, dass seine Nachfolger diesen Ereignissen mit Panik begegnen.

Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht.

Lk 21:28 · Luther 1912

MacArthur schreibt, dass für einen Glaubenden selbst schreckliche Nöte ein Grund sind, Freude und Triumph zu erwarten. Die Neue Genfer Studienbibel erklärt, das Wort für „Erlösung“ weise hier auf die endgültige Erfüllung der Befreiung hin, die Christus am Kreuz erworben hat. Matthew Henry sagt, es entspreche nicht dem Sinn Christi, dass sein Volk selbst in unruhigen Zeiten beunruhigte Herzen habe.

Wenn die Nachrichten beängstigend sind, antwortet die Bibel also weder mit Rechnen noch mit Verzweiflung. Bleiben Sie treu, lieben Sie die Menschen, erzählen Sie die gute Botschaft weiter und seien Sie bereit, denn der Kommende ist unser Retter.