Was ist die Wiederkunft Christi?

Kurze Antwort

Die Wiederkunft ist die Verheißung, dass Jesus Christus sichtbar und in Herrlichkeit auf die Erde zurückkehrt, so wie er in den Himmel aufgefahren ist. Er wird die Toten in Christus auferwecken, die Seinen sammeln und die Welt richten; den Tag kennt niemand.

Die Wiederkunft Christi ist die christliche Hoffnung, dass Jesus Christus, der gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist, wiederkommt. Die Bibel spricht immer wieder davon, und für die ersten Christen war sie Trost und Grund, treu zu leben. Dass er kommt, darin sind sich Christen einig; über manche Einzelheiten, wann und wie, denken sie verschieden, und das sollte man ehrlich sagen.

Er wird wiederkommen

Als Jesus aufgenommen wurde, standen die Jünger und blickten zum Himmel. Zwei Engel sprachen zu ihnen.

welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.

Apg 1:11 · Luther 1912

Adolf Schlatter schreibt, dass Jesus den Jüngern durch seine Boten ein letztes Abschiedswort sandte: Von seinem Weggang wird ihr Blick auf seine neue Offenbarung gelenkt; sie sehen ihn nicht mehr, aber sie warten auf ihn. John MacArthur sagt, dass Christus auf dieselbe Weise zur Erde zurückkehren wird, wie er auffuhr, in einer Wolke, und sein Reich aufrichten wird. William MacDonald nennt den Vers eine klare Verheißung der Rückkehr des Herrn, durch die sein Reich auf der Erde errichtet wird, und unterscheidet sie von der Entrückung der Gemeinde.

Matthew Henry zieht eine praktische Lehre. Die Jünger wollten wissen, was ihr Meister ihnen nicht gesagt hatte, und Henry warnt vor dem Verlangen nach verbotenem Wissen. Wenn wir untätig dastehen und in den Himmel starren, schreibt er, soll uns der Gedanke an die Wiederkunft aufwecken; wenn wir zitternd dastehen, soll er uns trösten.

Wie er kommen wird

Jesus selbst beschrieb den Tag in seiner Rede auf dem Ölberg.

Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Mt 24:30 · Luther 1912

Was ist das Zeichen des Menschensohns? MacArthur und die Neue Genfer Studienbibel verstehen es als Christus selbst oder die ersten Augenblicke seines Kommens. MacDonald bemerkt, dass uns nicht gesagt wird, wie das Zeichen aussehen wird. MacArthur meint, die Klage „aller Stämme der Erde“ sei Trauer über ihre Auflehnung gegen Gott, und Israel werde besonders darüber trauern, den Messias verworfen zu haben.

Nicht alle lesen die Stelle gleich. Die Neue Genfer Studienbibel erwähnt, dass manche hier den Fall Jerusalems und die Ausbreitung des Evangeliums beschrieben sehen, hält aber dagegen, dass die Sprache von Vers 31 mit anderen Stellen über die Wiederkunft und das Gericht übereinstimmt. Matthew Henry sieht in der ganzen Rede eine Weissagung über die Zerstörung Jerusalems, die zugleich ein Bild für das spätere Kommen Christi am Ende der Zeit war.

Was das für Glaubende bedeutet

Paulus schrieb über die Wiederkunft des Herrn, um Christen zu trösten, die um Verstorbene trauerten.

Denn er selbst, der HERR, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und übrig bleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken, dem HERRN entgegen in der Luft, und werden also bei dem HERRN sein allezeit.

1. Thess 4:16–17 · Luther 1912

Adolf Schlatter erklärt, dass Jesus nach dem göttlichen Befehl kommt, der die Zeit für erfüllt und die Vollendung für gekommen erklärt; seine Ankunft dient der Ausführung des Willens Gottes. Matthew Henry sagt, die Lehre von der Auferstehung und der Wiederkunft sei ein Mittel gegen die Furcht vor dem Tod und übermäßige Trauer: Wer in Jesus gestorben ist, ist nicht verloren. Die Neue Genfer Studienbibel hält fest, dass der Abschnitt den Trauernden zum Trost gegeben ist und seine Hauptaussage lautet, dass alle Gerechten beim Herrn und miteinander sein werden; eine genaue Reihenfolge der letzten Ereignisse gibt der Text nicht.

Hier gehen Christen auseinander. John MacArthur versteht das „Entrücktwerden“ der lebenden Gläubigen als die Entrückung der Gemeinde, die er vor die Zeit der Drangsal legt und vom Kommen Christi zum Gericht unterscheidet. William MacDonald beschreibt es ebenfalls als die erste Stufe der Rückkehr des Herrn und sieht in Apostelgeschichte 1,11 nicht die Entrückung, sondern seine Herrschaft. Andere Christen verstehen die Sammlung der Glaubenden und das sichtbare Kommen in Herrlichkeit als ein Ereignis. Die einfachste Lesart des Abschnitts lautet: Jesus selbst kommt herab, die verstorbenen Glaubenden stehen auf, und alle, die ihm gehören, sind für immer bei ihm.

Wann wird es geschehen?

Jesus gab eine Antwort, die jede Berechnung vereitelt: Den Tag und die Stunde kennt niemand (Matthäus 24:36). Adolf Schlatter liest darin, dass der Lauf der Geschichte ein Geheimnis in sich trägt, das sich aller Berechnung entzieht, weil Gott darüber entscheidet; auch Jesus ordnet sich der Entscheidung des Vaters unter. Die Neue Genfer Studienbibel sagt, dass mit diesen Worten Versuche unterbunden werden, die Wiederkunft Christi vorherzusagen. MacDonald sieht darin eine Warnung, sich nicht von der Versuchung leiten zu lassen, Termine zu setzen, und denen nicht zu glauben, die es tun. MacArthur ergänzt, dass Christus stattdessen Treue, Wachsamkeit und Bereitschaft betont.

So ist die Wiederkunft kein Rätsel, das man lösen muss, sondern eine Verheißung, die unser Leben prägt: mit Hoffnung, wenn wir müde sind, mit Geduld, wenn das Böse zu siegen scheint, und mit Bereitschaft. Sie gehört zur guten Nachricht von Jesus, der einmal kam, um zu retten, und wiederkommt, um zu vollenden, was er begonnen hat. Siehe auch Was sind die Zeichen der Endzeit? und Bibelverse über die Hoffnung.