Wer ist der Antichrist?
Das Wort „Antichrist“ steht in der Bibel nur in den Briefen des Johannes und meint jeden, der leugnet, dass Jesus der im Fleisch gekommene Christus ist. Auch Paulus und die Offenbarung sprechen von einem letzten Gegner Christi. Christen sind verschiedener Meinung: ein künftiger Herrscher, ein Geist durch alle Zeiten oder beides.
Der Antichrist ist ein Name, den man aus Filmen und Romanen mindestens so gut kennt wie aus der Bibel, und viele stellen sich einen einzelnen Bösewicht mit einer Geheimzahl vor. Die Bibel sagt weniger und sagt es vorsichtiger. Diese Seite folgt den Texten und zeigt, wo Christen sie verschieden verstehen.
Was Johannes Antichristen nennt
Das Wort selbst steht nur in den Briefen des Johannes.
Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, daß der Widerchrist kommt, so sind nun viele Widerchristen geworden; daher erkennen wir, daß die letzte Stunde ist.
1. Joh 2:18 · Luther 1912
Adolf Schlatter erklärt, der Name meine den, der tätig gegen Christus arbeitet: Wer ihn zu verdrängen sucht, sich selbst an seine Stelle setzt und einen anderen Weg zu Gott anpreist, als wäre er der Erlöser, der ist ein Widerchrist. Nicht Unglaube oder Abfall allein machten ihn dazu, sondern dieses Tun. Die Weissagung spreche zwar von einem einzigen Antichristen, doch die vielen Antichristen seien, so Schlatter, nicht ungefährlich und nicht von anderer Art als der Vorhergesagte. John MacArthur bemerkt, das erste „Antichrist“ stehe in der Einzahl und weise auf den kommenden letzten Herrscher, das „viele Antichristen“ dagegen meine Menschen, vor allem Irrlehrer.
Johannes nennt das Erkennungszeichen.
und ein jeglicher Geist, der da nicht bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists, von welchem ihr habt gehört, daß er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt.
1. Joh 4:3 · Luther 1912
William MacDonald schreibt, heute sagten viele Annehmbares über Jesus, bekennten ihn aber nicht als im Fleisch gekommenen Gott: Sie nennen Christus „göttlich“, aber nicht Gott. Dasselbe Kennzeichen gibt Johannes im zweiten Brief (2. Johannes 1:7). Jede Lehre, die Jesus als den Christus ablehnt, der wirklich Mensch wurde, trägt also den Geist des Antichristen.
Der Mensch der Gesetzlosigkeit bei Paulus
Paulus schreibt von einem letzten Widersacher, auch wenn er das Wort „Antichrist“ nicht gebraucht.
Lasset euch niemand verführen in keinerlei Weise; denn er kommt nicht, es sei denn, daß zuvor der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, also daß er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott.
2. Thess 2:3–4 · Luther 1912
Schlatter beschreibt ihn als den Menschen, der sich ganz vom göttlichen Gesetz freimacht und Gott leugnet; Paulus denke an den Tempel in Jerusalem. Wenn die Gemeinde ihn Antichrist genannt habe, so drücke das aus, dass dieser Nebenbuhler Jesu in Ziel und Mitteln das vollständige Gegenteil ist: Jesus sucht die Herrschaft im Gehorsam gegen Gott, jener verdrängt Gott und erhöht sich selbst. MacDonald sieht hier einen kommenden Weltführer, der in den Tempel in Jerusalem tritt, und erinnert daran, dass die griechische Vorsilbe anti sowohl „gegen“ als auch „anstelle von“ bedeutet. Die Neue Genfer Studienbibel verweist auf das „kleine Horn“ bei Daniel und sagt, die Beschreibung bereite das Tier aus Offenbarung 13 vor.