Darf ein Christ sich einäschern lassen? Was die Bibel zur Feuerbestattung sagt

Kurze Antwort

Die Bibel schreibt das Erdbegräbnis nirgends vor und verbietet die Feuerbestattung nicht. Das Begräbnis war der Brauch des Volkes Gottes und drückt die Hoffnung auf Auferstehung aus, darum ziehen viele Christen es vor. Doch Gott kann jeden Leib auferwecken, und ein eingeäscherter Christ verliert nichts von dieser Hoffnung.

Diese Frage stellt sich meist in einer schweren Stunde: Ein geliebter Mensch ist gestorben, oder jemand plant seine eigene Beerdigung und möchte tun, was Gott gefällt. Die ehrliche Antwort lautet: Die Bibel gibt dazu kein direktes Gebot. Sie macht das Begräbnis nirgends zum Gesetz und verbietet das Verbrennen nirgends. Aber sie zeigt, wie Gottes Volk mit den Toten umging, und sie schenkt eine feste Hoffnung, die viel wichtiger ist als die Art der Bestattung.

In der Bibel wurden Tote begraben

Von Anfang an spricht die Bibel vom Tod als Rückkehr zur Erde. Nach dem Sündenfall sagte Gott zu Adam:

Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

1. Mo 3:19 · Luther 1912

John MacArthur erklärt, dass die Rückkehr zur Erde einfach Sterben bedeutet: Durch die Sünde wurde der Mensch sterblich. Der Leib, aus Staub genommen, wird wieder zu Staub. Die Neue Genfer Studienbibel ergänzt, dass der leibliche Tod zugleich Strafe und, für Gläubige, Segen ist: Er öffnet die Tür zum Herrn (2. Korinther 5:8).

In der ganzen Schrift begrub Gottes Volk seine Toten. Abraham kaufte ein Feld, um Sara in der Höhle dort zu begraben (1. Mose 23:19). Josef ließ seine Brüder vor seinem Tod in Ägypten schwören, seine Gebeine in das verheißene Land mitzunehmen (1. Mose 50:25). MacArthur bemerkt, dass Josef starb, wie er gelebt hatte, im festen Vertrauen auf Gottes Zusagen, und Jahrhunderte später wurden seine Gebeine in Sichem begraben (Josua 24:32). Jesus selbst wurde mit Leinen und Spezereien umwickelt und in ein Grab gelegt, wie es bei den Juden Sitte war (Johannes 19:40).

Wo die Bibel das Verbrennen von Toten erwähnt

Nur wenige Stellen berichten von der Verbrennung Verstorbener. Die deutlichste ist das Ende König Sauls. Die Philister hatten seinen Leichnam an die Mauer von Bet-Schean gehängt, und die Männer von Jabesch in Gilead holten ihn unter Lebensgefahr zurück:

machten sie sich auf, was streitbare Männer waren, und gingen die ganze Nacht und nahmen die Leichname Sauls und seiner Söhne von der Mauer zu Beth–Sean und brachten sie gen Jabes und verbrannten sie daselbst und nahmen ihre Gebeine und begruben sie unter den Baum zu Jabes und fasteten sieben Tage.

1. Sam 31:12–13 · Luther 1912

Diese Männer verdankten Saul die Rettung ihrer Stadt vor den Ammonitern. MacArthur vermutet, dass sie die Leichen verbrannten, weil sie verstümmelt waren. Die Gebeine aber begruben sie und fasteten sieben Tage. MacArthur erinnert daran, dass es als größte Schande galt, einen Toten unbestattet zu lassen. Die Bibel erzählt diese Geschichte als Beispiel der Treue, nicht als Sünde.

An anderer Stelle ist das Verbrennen ein Zeichen der Verachtung. Der Prophet Amos klagt Moab an, weil es die Gebeine des Königs von Edom zu Kalk verbrannte (Amos 2:1). William MacDonald erklärt, dass Moab dem König von Edom ein würdiges Begräbnis verweigert hatte. Matthew Henry schreibt, es sei gottlos, tote Leiber zu schänden, denn wir glauben an ihre Auferstehung und erwarten sie. Die Sünde war hier Hass und Rache, nicht das Feuer an sich.

Kann Gott einen eingeäscherten Leib auferwecken?

Ja, und darum geht es im Kern. In 1. Korinther 15 antwortet Paulus Menschen, die fragten, wie die Toten überhaupt auferstehen könnten. Er gebraucht das Bild vom Samenkorn:

Also auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich, und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Unehre, und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Ist ein natürlicher Leib, so ist auch ein geistlicher Leib.

1. Kor 15:42–44 · Luther 1912

William MacDonald weist darauf hin: Ein Samenkorn fällt in die Erde und zerfällt, und doch kommt Leben daraus hervor. MacArthur nennt vier Unterschiede des neuen Leibes: keine Krankheit und kein Tod mehr, keine Schande der Sünde, keine Schwachheit und keine Grenzen dieses Lebens. Der Gott, der jedem Samen seinen eigenen Leib gibt (1. Korinther 15:38), ist nicht davon abhängig, was mit dem alten geschah.

Jeder Leib wird früher oder später wieder zu Staub, langsam im Grab oder schnell im Feuer. Gläubige sind auf See und im Feuer umgekommen, ohne ein Grab zu hinterlassen, doch die Bibel sagt, dass das Meer und der Tod ihre Toten herausgeben werden (Offenbarung 20:13). Henry hält bei Sauls Begräbnis fest, dass es wenig ausmacht, wie wir sterben und was mit unserem toten Leib geschieht. Entscheidend ist, ob wir zu Christus gehören.

Wie Christen heute entscheiden

Weil die Bibel die Frage nicht durch ein Gebot klärt, kommen aufrichtige Christen zu verschiedenen Ergebnissen.

  • Viele bevorzugen das Erdbegräbnis. Es folgt dem Beispiel Abrahams, Josefs und der Grablegung Jesu und macht sichtbar, was Paulus beschreibt: Der Leib wird wie ein Samenkorn gesät und wartet auf die Auferstehung. Manche Gemeinden raten deshalb zum Begräbnis.
  • Viele andere halten die Feuerbestattung für erlaubt. Sie betonen, dass die Schrift sie nicht verbietet, dass Gottes Macht zur Auferweckung nicht vom Zustand des Leibes abhängt und dass Kosten, Entfernung oder örtliche Vorschriften ein Begräbnis sehr erschweren können.

Wichtiger als die Form ist die Haltung dahinter. Eine Bestattung soll den Leib als Gottes Geschöpf ehren und nicht ausdrücken, dass der Leib wertlos sei oder es keine Auferstehung gebe.

Wenn ein Mensch, den du liebst, eingeäschert wurde, musst du seinetwegen keine Angst haben. Paulus schrieb an trauernde Christen, sie sollten nicht traurig sein wie die, die keine Hoffnung haben, denn Gott wird die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen (1. Thessalonicher 4:13–14). Unsere Hoffnung ruht nicht auf einem Grab oder einer Urne, sondern auf dem auferstandenen Herrn. Mehr dazu findest du unter Was passiert nach dem Tod?