Was ist Sünde?
Sünde ist alles, was hinter der Heiligkeit Gottes zurückbleibt: sein Gebot brechen, den eigenen Weg statt seines gehen oder das erkannte Gute nicht tun. Die Bibel sagt, dass alle gesündigt haben und dass Gott in Christus Vergebung schenkt.
Das Wort „Sünde“ kennt jeder, aber es wird sehr verschieden verstanden. Für die einen ist es eine Liste verbotener Vergnügen, für andere ein religiöser Name für ein schlechtes Gewissen. Die Bibel meint etwas Tieferes: einen Bruch in der Beziehung zwischen den Menschen und dem Gott, der sie geschaffen hat.
Die wichtigsten Antworten stehen in wenigen kurzen Versen. Der Rest der Schrift entfaltet sie.
Sünde ist Auflehnung gegen Gottes Gebot
Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht, und die Sünde ist das Unrecht.
1. Joh 3:4 · Luther 1912
Der Kommentar von Jamieson, Fausset und Brown bemerkt, dass hier eine Definition der Sünde vorliegt. Das griechische Wort für Sünde bedeute „Zielverfehlung“: Gottes Wille ist das Ziel, auf das wir ausgerichtet sein sollen. Dazu gibt der Kommentar ein schlichtes Bild: Wie krumm eine Linie ist, sieht man erst, wenn man ein gerades Lineal danebenlegt.
Matthew Henry geht einen Schritt weiter. Sünde sei die Verwerfung des göttlichen Gesetzes, und wer das Gesetz verwirft, verwerfe die Autorität dessen, der es gegeben hat, und damit Gott selbst. William MacDonald sagt es ähnlich: Der Sünder will seinen eigenen Weg gehen und stellt seinen Willen über den Willen Gottes. Er weist auch darauf hin, dass es Sünde schon gab, bevor das Gesetz gegeben wurde, zur Zeit Adams. John MacArthur ergänzt, das Wort „Gesetzlosigkeit“ meine mehr als den Verstoß gegen ein einzelnes Gebot, nämlich Rebellion, ein Leben, als gäbe es kein Gesetz.
Sünde besteht also nicht nur aus falschen Taten. Sie beginnt im Herzen, das zu Gott Nein sagt, und die Taten folgen daraus.
Sünde ist auch das Gute, das wir unterlassen
Wenn wir an Sünde denken, denken wir meist an das, was getan wird. Jakobus zeigt die andere Seite.
Denn wer da weiß Gutes zu tun, und tut’s nicht, dem ist’s Sünde.
Jak 4:17 · Luther 1912
Albert Barnes hält fest, dass die Aussage allgemein gilt, auch wenn Jakobus wohl die Pläne seiner Leser vor Augen hatte, die ohne einen Gedanken an Gott gemacht wurden. John Gill schreibt, dass das Unterlassen einer erkannten Pflicht genauso schuldig macht wie das Tun einer erkannten Sünde. John Wesley fügt hinzu, dass das Wissen die Schuld nicht mindert, sondern erhöht. MacDonald betont ebenfalls, dass wir nach dem Licht leben müssen, das wir empfangen haben.
Jesus sagte Ähnliches: Der Knecht, der den Willen seines Herrn kannte und ihn nicht tat, wird strenger beurteilt (Lukas 12:47). Zu wissen, was recht ist, und es aufzuschieben, ist keine neutrale Haltung. Es ist eine der ganz gewöhnlichen Arten zu sündigen.