Was ist die unvergebbare Sünde?

Kurze Antwort

Die unvergebbare Sünde ist die Lästerung des Heiligen Geistes: Wer wissentlich und hartnäckig das Wirken Gottes dem Satan zuschreibt, lehnt den ab, der zur Umkehr führt. Wen das bekümmert und wer Vergebung sucht, hat sie nicht begangen, denn Christus verspricht, denen zu vergeben, die ihre Sünden bekennen.

Kaum eine Aussage der Bibel macht Menschen so viel Angst wie die von der Sünde, die nicht vergeben wird. Manche fürchten, sie durch einen bösen Gedanken oder ein zorniges Wort begangen zu haben. Um zu verstehen, was Jesus meinte, müssen wir sehen, in welcher Lage er es sagte.

Was Jesus sagte und zu wem

Jesus hatte gerade einen Dämon aus einem Menschen ausgetrieben. Die Pharisäer wussten darauf eine Antwort: Er treibe die Dämonen durch Beelzebul aus, den Obersten der Dämonen. Darauf sprach Jesus eine ernste Warnung aus.

Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung wider den Geist wird den Menschen nicht vergeben. Und wer etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.

Mt 12:31–32 · Luther 1912

Markus überliefert dieselben Worte und nennt den Anlass.

Wahrlich ich sage euch: Alle Sünden werden vergeben den Menschenkindern, auch die Gotteslästerungen, womit sie Gott lästern; wer aber den heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung ewiglich, sondern ist schuldig des ewigen Gerichts.

Mk 3:28–29 · Luther 1912

Albert Barnes erklärt, die Sünde habe darin bestanden, dass man Jesus unterstellte, er wirke seine Wunder durch den Teufel und nicht durch den Geist Gottes; der Schluss bei Markus (Markus 3:30) nenne den Grund der Warnung. William MacDonald beschreibt es ebenso: Die Schriftgelehrten nannten damit den Heiligen Geist praktisch den Obersten der Dämonen. John MacArthur betont, es sei eine bewusste Ablehnung dessen gewesen, was die Pharisäer als von Gott kommend erkannten. Sie konnten nicht leugnen, was der Geist durch Jesus tat, also schrieben sie es dem Satan zu.

Warum diese Sünde nicht vergeben wird

Zunächst wirkt es seltsam, dass Jesus jede andere Sünde und Lästerung der Vergebung unterstellt, sogar ein Wort gegen den Menschensohn. Adolf Schlatter weist darauf hin, dass die Vergebung Gottes uns nicht in unserer Bosheit bestärken, sondern von ihr befreien will; darum hat sie eine Grenze, und diese überschreitet, wer den Geist Gottes lästert. Jesus selbst lässt Schmähungen gegen seine Person durch sein Vergeben decken, aber er tritt als Anwalt des Geistes auf.

Jamieson, Fausset und Brown halten fest, dass die Unvergebbarkeit nicht in der Natur der Sünde selbst liegen kann, denn sonst widerspräche sie der Zusage, dass jede Sünde vergeben werden kann. Der Unterschied liegt in der Lage des Menschen: Wer Christus in seiner verhüllten Gestalt lästert, kann es aus Unwissenheit tun und für mehr Licht offen bleiben; wer ihn nach dem vollen Licht des Geistes lästert, hasst das Licht, je heller es wird, und schließt es entschlossen aus.

MacArthur erinnert an Saulus von Tarsus, der die Gemeinde aus Unwissenheit verfolgte und Erbarmen fand (1. Timotheus 1:13). Wer aber weiß, dass Christi Worte wahr sind, und ihn trotzdem ablehnt, sündigt gegen den Geist, denn der Geist ist es, der von Christus Zeugnis gibt.

Kann ich sie begangen haben?

Christen verstehen das ein wenig verschieden. MacDonald hält es für zweifelhaft, dass diese Sünde heute in derselben Weise begangen werden kann, da Jesus nicht leiblich auf der Erde ist und keine Wunder tut. Er fügt hinzu, dass sie nicht dasselbe sei wie das Ablehnen des Evangeliums: Ein Mensch könne es jahrelang verachten und doch gerettet werden. MacArthur sagt in seiner Anmerkung zu Markus weiter gefasst: Wer das Wirken des Geistes vorsätzlich und respektlos schmäht und damit Christus selbst verwirft, verliert jeden Anspruch auf Vergebung.

Wie man es auch versteht, der seelsorgerliche Punkt bleibt derselbe. Matthew Henry schreibt, demütige und gewissenhafte Gläubige meinten zuweilen, sie hätten die unvergebbare Sünde begangen, während gerade die, die ihr am nächsten gekommen seien, sich selten davor fürchteten. Wer wirklich umkehrt und dem Evangelium glaubt, hat sie nicht begangen, denn Umkehr und Glaube sind Gaben Gottes, die er keinem geben würde, dem er nie vergeben wollte. Wer sich davor fürchtet, zeigt damit ein gutes Zeichen.

Das Versprechen bleibt offen

Dieselbe Bibel, die warnt, macht auch ein klares Versprechen.

So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend.

1. Joh 1:9 · Luther 1912

Schlatter sagt dazu: Gott ist treu und gerecht; nur der Gerechte kann vergeben, ohne dass seine Gnade missbraucht wird, um die Sünde zu mehren. Seine Vergebung macht uns wirklich rein. MacDonald fügt hinzu, dass echtes Bekenntnis die Sünde beim Namen nennt, sich auf Gottes Seite gegen sie stellt und sie verlässt.

Wenn Ihre Sünde Sie quält und Sie Vergebung wollen, ist das nicht das Bild der Pharisäer, die sich gegen das Licht verhärteten. Bringen Sie Ihre Sünde zu Gott und bitten Sie um Vergebung. Christus ist bereit dazu (Matthäus 11:28).