Wie kann ich der Versuchung widerstehen?

Kurze Antwort

Die Versuchung selbst ist keine Sünde, und Gott lässt sie nie über das hinauswachsen, was Sie tragen können. Widerstehen gelingt in der Nähe Gottes: wachen und beten, sich ihm unterordnen, dem Teufel widerstehen, mit der Schrift antworten und den Ausweg nutzen, den Gott schenkt.

Versucht werden alle, auch diejenigen, die Christus schon viele Jahre folgen. Versuchung ist der Sog zum Falschen: ein Gedanke oder Wunsch, der uns einlädt, Gottes Weg zu verlassen. Die Bibel sieht darin keinen Grund zur Verzweiflung. Sie sagt, woher die Versuchung kommt, was Gott darin verspricht und was wir tun können.

Jesus versteht Ihre Versuchung

Wir stehen nicht allein vor der Versuchung, denn der Sohn Gottes hat sie selbst durchlebt:

Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unsern Schwachheiten, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde.

Hebr 4:15 · Luther 1912

William MacDonald schreibt, dass nur der wirklich mitfühlen kann, der Ähnliches durchgemacht hat: Christus hat als Mensch alles durchlebt, was wir durchleben, kann aber mit der Sünde nicht mitfühlen, weil er selbst nie gesündigt hat. John MacArthur ergänzt, dass Jesus versucht werden konnte, wie in der Wüste (Matthäus 4:1–11), aber nicht sündigen konnte. Matthew Henry findet darin Trost: Versuchungen, denen wir nicht nachgeben, sind keine Sünden, sondern nur Prüfungen.

Dass Sie versucht werden, beweist also nicht, dass Sie weit von Gott entfernt sind. Entscheidend ist, was wir damit tun. Derselbe Abschnitt lädt uns ein, zum Thron der Gnade zu kommen, um Barmherzigkeit und Hilfe zur rechten Zeit zu finden (Hebräer 4:16).

Die Versuchung kommt nicht von Gott

Es hilft, die Quelle des Problems zu kennen. Jakobus schreibt:

Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod.

Jak 1:13–15 · Luther 1912

MacArthur erklärt, dass Gott Prüfungen zulässt, aber eine Prüfung zur Versuchung wird, wenn wir sie mit Zweifel und Ungehorsam beantworten. Er weist darauf hin, dass Jakobus das Bild der Jagd gebraucht: Das Begehren ist der Köder, der uns in die Falle lockt. Die Neue Genfer Studienbibel unterscheidet zwischen Prüfung und Versuchung: Gott prüft Menschen, versucht sie aber nie zur Sünde; Jesus wurde in der Wüste von Gott geprüft und von Satan versucht. MacDonald fügt hinzu, dass wir die Schuld gern woanders suchen, die Sünde aber im eigenen Herzen beginnt und wir dafür verantwortlich sind.

Das ist auch eine gute Nachricht. Wenn die Versuchung aus unseren Wünschen wächst, können wir lernen, sie früh zu bemerken, zu benennen und vor Gott zu bringen. Matthew Henry rät, der Sünde schon am Anfang zu wehren.

Gott setzt Grenzen und schafft einen Ausweg

Wenn die Versuchung übermächtig scheint, denken Sie an diese Zusage:

Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr’s könnet ertragen.

1. Kor 10:13 · Luther 1912

MacDonald hebt hervor, dass Gott nicht verspricht, uns von der Versuchung zu befreien, sondern ihre Stärke zu begrenzen und Erleichterung zu geben, damit wir sie ertragen können. Die Neue Genfer Studienbibel zieht einen ernsten Schluss: Da Gott nie mehr zulässt, als wir tragen können, ist die Sünde für einen Glaubenden nie unvermeidlich. Matthew Henry schreibt, Gott sei nicht nur treu, sondern auch weise und werde entweder aus der Prüfung selbst oder wenigstens vor ihrem Schaden erretten. Der Ausweg ist wirklich da, aber wir müssen ihn nehmen. Praktisch kann das heißen, den Raum zu verlassen, die Seite zu schließen, einen Freund anzurufen oder den Abend anders zu planen.

Was zu tun ist, wenn die Versuchung kommt

Jesus gab seinen Jüngern in Gethsemane eine schlichte Weisung:

Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

Mt 26:41 · Luther 1912

Adolf Schlatter bemerkt, dass Jesus sie nicht schilt und ihren guten Willen nicht bezweifelt. Aber sie sollen sich nicht auf diesen guten Willen verlassen, sondern Gottes Gnade ergreifen und darum beten, dass seine bewahrende Hand sie durch die Versuchung trägt. MacDonald erinnert daran, wie oft wir besser schlafen als beten. Um Hilfe sollten wir im Voraus bitten, nicht erst, wenn uns die Versuchung schon erwischt hat.

Jakobus nennt zwei weitere Schritte:

So seid nun Gott untertänig. Widerstehet dem Teufel, so flieht er von euch;

Jak 4:7 · Luther 1912

MacArthur schreibt, dass „sich unterordnen“ ein militärisches Wort ist: Es meint den Soldaten unter der Autorität seines Befehlshabers, also die freiwillige Unterordnung unter Gott. Der zweite Schritt ist, dem Teufel zu widerstehen. MacDonald sagt, wir tun das, indem wir Ohr und Herz seinen Angeboten verschließen und die Schrift als Schwert des Geistes gebrauchen; die Neue Genfer Studienbibel erinnert daran, dass Satan mächtig, aber nicht unbesiegbar ist. Genau so handelte Jesus in der Wüste: Auf jede Versuchung antwortete er mit dem, was geschrieben steht, wie Matthew Henry hervorhebt.

Wenn Sie gefallen sind, verstecken Sie sich nicht vor Gott. Kehren Sie zu ihm zurück, zum Thron der Gnade, wo es nach Henry Barmherzigkeit gibt, die vergibt, und Gnade, die reinigt. Widerstehen heißt nicht, auf die eigene Stärke zu bauen, sondern sich dem zuzuwenden, der versucht wurde wie wir und in jeder Prüfung bei uns bleibt.