Was ist das Abendmahl (Kommunion)?

Kurze Antwort

Das Abendmahl, auch Kommunion oder Eucharistie genannt, ist die Mahlfeier, bei der Christen Brot essen und aus dem Kelch trinken, um sich an den Tod Jesu für sie zu erinnern, am neuen Bund teilzuhaben und auf seine Wiederkunft zu warten. Wie Christus darin gegenwärtig ist, sehen Christen unterschiedlich.

In vielen Gemeinden ist das Abendmahl schlicht: ein Stück Brot, ein Schluck aus dem Kelch und wenige stille Worte. Es hat mehrere Namen: Abendmahl, Kommunion, Eucharistie, Brotbrechen. Hinter dieser einfachen Handlung steht der letzte Abend im Leben Jesu vor dem Kreuz.

Jesus setzte es beim Passamahl ein

In der Nacht vor seinem Tod aß Jesus mit seinen Jüngern das Passamahl. Am Ende tat er etwas Neues:

Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

Mt 26:26–28 · Luther 1912

William MacDonald bemerkt, dass Brot und Wein als Teil des Passamahls ohnehin auf dem Tisch standen und Jesus ihnen eine neue Bedeutung gab. Das Passa erinnerte an die Rettung aus Ägypten. Die Neue Genfer Studienbibel schreibt, dass Jesus mit dieser Mahlzeit die Einheit des Heilswegs Gottes zeigte: Der wahre Sinn des Passa ist die Erlösung, die er durch seinen Tod erwirkte. Adolf Schlatter meint, Jesus mache das Brot zur Gabe, die den Jüngern Leben gibt, und lenke mit dem Wort vom Blut ihren Blick auf das Kreuz.

Lukas berichtet, dass Jesus seine Jünger bat, dies immer wieder zu tun:

Und er nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desselbigengleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

Lk 22:19–20 · Luther 1912

Das Wort vom neuen Bund greift die Verheißung auf, die Gott durch Jeremia gegeben hat (Jeremia 31:31–34). MacDonald erklärt, dieser Bund sei durch das Blut Christi besiegelt und sein Fundament am Kreuz gelegt worden. Dass das Blut für viele vergossen wurde, bedeutet nach ihm kein enges Angebot: Sein Blut genügt für alle, nimmt aber tatsächlich die Sünden nur derer weg, die glauben.

Was das Abendmahl bedeutet

Paulus gibt dieselben Worte an die Gemeinde in Korinth weiter:

Ich habe es von dem HERRN empfangen, das ich euch gegeben habe. Denn der HERR Jesus in der Nacht, da er verraten ward, nahm das Brot, dankte und brach’s und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches tut zu meinem Gedächtnis. Desselbigengleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des HERRN Tod verkündigen, bis daß er kommt.

1. Kor 11:23–26 · Luther 1912

Drei Gedanken treten hervor. Erstens die Erinnerung. Matthew Henry schreibt, sie halte uns sein Sterben für uns vor Augen und erinnere daran, dass er bei Gott für uns eintritt. Zweitens die Verkündigung: Jedes Mal, wenn wir essen und trinken, verkünden wir seinen Tod. Drittens die Hoffnung: Wir tun es, bis er kommt. Carl Heinrich Rieger hebt hervor, dass das Abendmahl zwischen zwei Eckpunkten steht, der Nacht, in der Jesus verraten wurde, und seiner Wiederkunft; für alle, die glauben, ohne ihn gesehen zu haben, sei es ein Ersatz. John MacArthur weist darauf hin, dass Paulus diese Anweisung unmittelbar vom Herrn empfangen hat und dass dieser Brief wohl die älteste schriftliche Schilderung der Einsetzung ist.

Das Abendmahl verbindet die Glaubenden auch untereinander. Paulus sagt, dass wir durch das eine Brot ein Leib sind (1. Korinther 10:16–17).

Wie Christen Christi Gegenwart verstehen

Was meinte Jesus, als er sagte, das Brot sei sein Leib? Christen antworten verschieden. Die römisch-katholische Kirche lehrt, dass sich Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandeln. Die Lutheraner lehren, dass Leib und Blut zusammen mit Brot und Wein gegenwärtig sind. MacDonald argumentiert, Jesus habe seinen Leib noch nicht hingegeben und sein Blut noch nicht vergossen, als er sprach; das Brot sei daher Sinnbild und Abbild seines Leibes. Die Neue Genfer Studienbibel sagt im Anschluss an Calvin und die anderen Reformatoren: Das Brot stellt den Leib Christi dar, aber nicht als bloßes Zeichen, sondern so, dass es durch den Heiligen Geist anschaulich auf den hinweist, den wir im Glauben empfangen. Matthew Henry vergleicht es mit der Sonne: Wir haben an ihr Anteil, nicht weil wir sie in den Händen halten, sondern weil ihre Strahlen auf uns fallen.

Trotz dieser Unterschiede sind sich die meisten Christen einig darüber, was das Abendmahl bewirkt: Es weist uns auf das Kreuz und verbindet uns mit Christus und miteinander.

Mit offenem Herzen teilnehmen

Paulus warnt die Korinther davor, das Brot und den Kelch unwürdig zu genießen (1. Korinther 11:27–29). Das heißt nicht, dass nur Vollkommene teilnehmen dürfen. MacDonald betont, dass keiner von uns würdig ist; Paulus spreche vom leichtfertigen und respektlosen Verhalten der Korinther am Tisch. Rieger beschreibt die Schuld als unverständiges, leichtsinniges Beiseitesetzen des Ernstes, den diese Stiftung einflößen soll. Nach der Neuen Genfer Studienbibel zerstörten in Korinth einige die Einheit, die das Abendmahl ausdrückt; man dürfe aus dem Abschnitt nicht schließen, Gott schicke gewöhnlich Krankheit über Christen, die mit ihren Schwächen kommen.

Die Aufforderung zur Selbstprüfung heißt also: Sünden bekennen, in Ordnung bringen, was sich in Ordnung bringen lässt, und dankbar kommen. Matthew Henry betont, dass dieser Abschnitt nie dazu gedacht war, aufrichtige Gläubige vom Tisch des Herrn fernzuhalten.

Das Abendmahl ist ein Geschenk. Wir kommen nicht, weil wir es verdient hätten, sondern weil Christus seinen Leib und sein Blut für uns gegeben hat und uns einlädt, an ihn zu denken, bis er wiederkommt.