Was bedeutet Gottesfurcht?
Gottesfurcht ist ehrfürchtiges Staunen vor Gott, das zu Vertrauen und Gehorsam führt. Sie ist keine Angst vor einem strengen Herrn, sondern die richtige Antwort des Geschöpfs auf den heiligen und liebenden Schöpfer; die Bibel nennt sie den Anfang der Weisheit.
„Furcht“ passt auf den ersten Blick schlecht zu einem liebenden Gott. Trotzdem zieht sich die Wendung „Furcht des Herrn“ durch die ganze Bibel, und sie meint etwas anderes, als wir zunächst denken. Gemeint ist ein Mensch, der Gott ernst nimmt: Er staunt über Gottes Größe, vertraut ihm und möchte ihm gefallen.
Ehrfurcht statt Angst
Das Buch der Sprüche beginnt seine Lehre mit diesem Gedanken.
Des HERRN Furcht ist Anfang der Erkenntnis. Die Ruchlosen verachten Weisheit und Zucht.
Spr 1:7 · Luther 1912
Die Neue Genfer Studienbibel erklärt, dass dabei nicht blinder Schrecken gemeint ist, sondern ehrfürchtiges Zittern vor Gott, mit dem der Glaubende respektvoll auf seine Offenbarung hört. Sie nennt diesen Gedanken den Grundgedanken des ganzen Buches. John MacArthur ergänzt, dass Ehrfurcht, Achtung und Demut die Grundlage jeder geistlichen Erkenntnis sind.
Albert Barnes beschreibt die Furcht des Endlichen vor dem Unendlichen und des Sünders vor dem Heiligen. Diese Furcht, so schreibt er, habe keine Qual in sich und vertrage sich mit der Liebe eines Kindes. Die Furcht des Herrn ist also kein Gegensatz zum Vertrauen. Wer sich ängstigt, läuft weg; wer den Herrn fürchtet, geht auf ihn zu. Von Gottes Güte gegenüber denen, die ihn fürchten, spricht die Bibel mit Freude (Psalm 103:11).
Der Anfang der Weisheit
Drei Stellen sagen fast dasselbe, und die Wiederholung ist gewollt.
Der Weisheit Anfang ist des HERRN Furcht, und den Heiligen erkennen ist Verstand.
Spr 9:10 · Luther 1912
Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. Das ist eine feine Klugheit, wer darnach tut, des Lob bleibt ewiglich.
Ps 111:10 · Luther 1912
Matthew Henry versteht den Spruch so: Wer nicht weiß, wie man Gott fürchtet, kennt das Wichtigste noch nicht, und wer irgendetwas Nützliches lernen will, muss mit der Ehrfurcht vor Gott beginnen. MacArthur schreibt, ein Mensch ohne Glauben könne zwar über Leben und Wahrheit reden, echte Erkenntnis habe er aber nicht, solange er keine Vergebung empfangen habe und Gott nicht ehre. John Wesley nennt die Gottesfurcht im Psalm das einzige Fundament wahrer Weisheit.
Der Psalm fährt fort: Gutes Verständnis haben alle, die Gottes Gebote tun. Gottesfurcht ist also keine Stimmung, sondern zeigt sich im Leben.