Was ist das Reich Gottes?

Kurze Antwort

Das Reich Gottes ist Gottes Herrschaft über sein Volk durch Jesus Christus, den König. Es ist kein politischer Staat: Es beginnt jetzt im Herzen derer, die ihm vertrauen, und wird bei Christi Wiederkunft in voller Herrlichkeit sichtbar.

Das Reich Gottes gehört zu den Hauptthemen Jesu. Er begann seinen Dienst, indem er es ankündigte, erzählte viele Gleichnisse darüber und lehrte seine Nachfolger, darum zu beten. Trotzdem wurde es immer wieder missverstanden, von den Pharisäern seiner Zeit bis zu manchen Lesern heute. Die Antwort der Bibel ist zugleich einfacher und größer als ein Staat oder eine Kirche: Das Reich ist dort, wo Gott als König regiert.

Nicht von dieser Welt

Als Jesus vor Pilatus stand, angeklagt, er nenne sich König, gab er eine überraschende Antwort.

Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen.

Joh 18:36 · Luther 1912

John MacArthur erklärt, Jesus habe damit gemeint, dass sein Reich nicht an irdische politische Einrichtungen gebunden ist und nicht aus dem sündigen Weltsystem stammt, das gegen Gott steht. Irdische Reiche erhalten sich durch Gewalt; wäre seines von dieser Art, hätten seine Diener gekämpft. Die Neue Genfer Studienbibel hält fest, dass Jesus wirklich König ist, seine Herrschaft aber nicht mit Gewalt aufrichten wollte, was für Pilatus ein vollkommenes Rätsel war.

Die Pharisäer irrten von der anderen Seite. William MacDonald schreibt, sie hätten als Juden auf ein Reich gehofft, das mit großer Macht und Herrlichkeit aufgerichtet würde, und hätten äußere, politische Zeichen erwartet. Jesus antwortete ihnen anders.

Schon da und noch ausstehend

Da er aber gefragt ward von den Pharisäern: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.

Lk 17:20–21 · Luther 1912

Die entscheidende Wendung lässt sich auf zwei Weisen verstehen, und die Ausleger sagen das offen. Albert Barnes nennt beide: Gottes Herrschaft ist im Herzen, oder das neue Zeitalter ist bereits mitten unter den Zuhörern, weil der Messias gekommen ist. John Wesley verbindet beides: Das Reich sei mitten unter euch, gegenwärtig in der Seele jedes wahren Gläubigen, ein geistliches Reich und ein inneres Prinzip. MacArthur versteht es vom menschlichen Herzen und hält es für unwahrscheinlich, dass Jesus die Pharisäer selbst meinte. Matthew Henry betont, dass das Reich nicht zuerst die äußeren Umstände ändert, sondern Herz und Leben.

Die Neue Genfer Studienbibel bemerkt, dass Jesus in diesem einen Abschnitt vom Reich sowohl als bereits bestehender Wirklichkeit als auch als etwas noch voll zu Offenbarendem spricht (Verse 22-37). Darum lehrte er uns, um das Kommen des Reiches zu beten (Matthäus 6:10). Christen, die hierin einig sind, stellen sich die Zukunft des Reiches verschieden vor: Manche erwarten eine tausendjährige Herrschaft Christi auf der Erde (Offenbarung 20:4), andere sehen darin seine gegenwärtige Herrschaft oder verstehen die Stelle bildlich. Einig sind sich alle, dass er als König wiederkommen wird.

Wie das Reich heute aussieht

Paulus zeigt, wie das Leben im Reich aussieht, in einer Gemeinde, in der über das Essen gestritten wurde.

Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geiste.

Röm 14:17 · Luther 1912

MacArthur beschreibt das Reich hier als den Bereich des Heils, in dem Gott die Herzen der Geretteten regiert. Gerechtigkeit bedeutet ein heiliges Leben im Gehorsam, Friede die Ruhe der vom Geist gewirkten Liebe. MacDonald folgert: Im Reich zählen geistliche Wirklichkeiten, nicht Speisevorschriften. Die Neue Genfer Studienbibel ergänzt, dass das Reich durch Gnadengaben von oben bestimmt ist und nicht durch Essen und Trinken.

In dieses Reich kommt man nicht durch Geburt oder Anstrengung; Jesus sagte, man müsse von neuem geboren werden, um es zu sehen (Johannes 3:3).

Zuerst danach trachten

Jesus ruft dazu auf, sich nicht um Essen und Kleidung zu sorgen, und nennt die Priorität.

Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.

Mt 6:33 · Luther 1912

MacArthur verbindet das Reich hier mit dem Heil: Sucht zuerst das, um alles andere kümmert sich Gott. Die Neue Genfer Studienbibel erklärt, dass Gottes souveräner Wille und das richtige Verhältnis zu ihm an erster Stelle stehen sollen; das meint Gerechtigkeit. Sorge und Gerechtigkeit passen nicht zusammen, denn Sorge zweifelt an Gottes Güte oder Macht. MacDonald liest das als Zusage: Wer Gottes Anliegen an die erste Stelle setzt, dem sichert Gott zu, für seinen Bedarf zu sorgen.

Das Reich zu suchen heißt, danach zu fragen, was der König will: Jesus vertrauen, ihm im Alltag gehorchen und Menschen so begegnen, wie er es tut. Wer sich vor ihm gebeugt hat, gehört schon dazu, und es wächst weiter.