Was ist die Dreifaltigkeit (Dreieinigkeit)?

Kurze Antwort

Die Dreieinigkeit (Trinität) ist die christliche Lehre, dass es einen einzigen Gott gibt, der ewig in drei Personen existiert: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Jede Person ist ganz Gott, und doch sind es nicht drei Götter, sondern ein Gott.

Das Wort „Dreieinigkeit“ kommt in der Bibel nicht vor. Christen gebrauchen es als kurzen Namen für das, was die Schrift lehrt, wenn man alle ihre Aussagen über Gott zusammennimmt: Es gibt nur einen Gott, und doch sind der Vater, der Sohn und der Heilige Geist jeweils ganz Gott und voneinander unterschieden. Im 4. Jahrhundert fasste die Kirche das im Nizänischen Glaubensbekenntnis zusammen, das die meisten evangelischen, katholischen und orthodoxen Kirchen bis heute bekennen. Kurz gesagt: Gott ist einer im Wesen und drei in Personen.

Es gibt nur einen Gott

Die Bibel lässt diese Überzeugung nie los. Israel lebte unter Völkern, die viele Götter verehrten, und sein Grundbekenntnis, das „Schma“, das Juden morgens und abends sprechen, beginnt so:

Höre, Israel, der HERR, unser Gott, ist ein einiger HERR.

5. Mo 6:4 · Luther 1912

Die Ausleger lesen diesen Vers auf zwei Weisen. Matthew Henry meint, dass die dreifache Nennung des Gottesnamens und die Mehrzahlform des hebräischen Wortes für Gott schon hier auf drei Personen hindeuten. Adam Clarke ist zurückhaltender: Wenn Mose hier die Dreieinigkeit lehrt, dann nicht deutlicher als im ersten Vers der Bibel. Einig sind sie sich im Kern: Der Herr allein ist Gott.

Die Propheten wiederholen es: Es gibt keinen Gott außer dem Herrn (Jesaja 45:5). Das Neue Testament ändert daran nichts. Paulus betont, dass ein Götze nichts ist und dass wir einen Gott, den Vater, und einen Herrn, Jesus Christus, haben (1. Korinther 8:4–6). John MacArthur sieht darin eine klare Aussage über die volle Einheit von Gott Vater und Gott Sohn. Auch Jakobus setzt den einen Gott voraus (Jakobus 2:19). Die Dreieinigkeit ist also kein Glaube an drei Götter. Christen glauben an einen Gott.

Vater, Sohn und Geist sind jeweils Gott

Zugleich spricht das Neue Testament von drei Personen, von denen jede Gott ist.

Der Vater ist Gott. Jesus nennt Gott seinen Vater, und nach der Auferstehung sagt er den Jüngern, dass sein Vater auch ihr Vater ist (Johannes 20:17).

Der Sohn ist Gott. Johannes beginnt sein Evangelium mit dem Wort, das vor der Schöpfung da war:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Joh 1:1 · Luther 1912

Dann sagt Johannes, dass dieses Wort in Jesus Fleisch wurde (Johannes 1:14). Als Thomas den Auferstandenen sah, nannte er ihn seinen Herrn und seinen Gott, und Jesus nahm das an (Johannes 20:28). Paulus schreibt, dass in Christus, der einen wirklichen menschlichen Leib hat, die ganze Fülle Gottes wohnt (Kolosser 2:9): Er ist ganz Gott und zugleich wahrer Mensch.

Der Heilige Geist ist Gott. Als Hananias den Heiligen Geist belog, sagte Petrus, er habe Gott belogen (Apostelgeschichte 5:3–4). Der Geist ist keine unpersönliche Kraft. Er leitet in die Wahrheit und redet (Johannes 16:13), und man kann ihn betrüben (Epheser 4:30), was nur bei einer Person möglich ist.

Zugleich sind die drei klar unterschieden. Es ist nicht eine Person, die die Masken wechselt. Bei der Taufe Jesu sind alle drei gleichzeitig da:

Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser; und siehe, da tat sich der Himmel auf über ihm. Und er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.

Mt 3:16–17 · Luther 1912

Der Sohn steigt aus dem Wasser, der Geist kommt auf ihn herab, und der Vater spricht vom Himmel. Jesus betet auch zum Vater und verspricht, dass der Vater einen anderen Beistand senden wird, den Geist (Johannes 14:16–17). Der Vater wird gebeten, der Sohn bittet, und der Geist ist die Gabe.

Ein Name, drei Personen

Vor seiner Himmelfahrt sandte Jesus seine Jünger zu allen Völkern:

Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes,

Mt 28:19 · Luther 1912

William MacDonald weist darauf hin, dass „Name“ hier in der Einzahl steht: ein Name, ein Wesen, aber drei Personen – Vater, Sohn und Heiliger Geist. In diesem Namen tauft die Gemeinde von Anfang an.

Ebenso segneten die Apostel die Gemeinden. Paulus beendet den zweiten Brief an die Korinther mit dem einzigen Segen im Neuen Testament, der alle drei Personen nebeneinander nennt:

Die Gnade unsers HERRN Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

2. Kor 13:14 · Luther 1912

Auch Petrus beschreibt die Gläubigen als vom Vater erwählt, durch den Geist geheiligt und durch das Blut Jesu Christi gereinigt (1. Petrus 1:2).

Die Schrift erklärt nicht, wie die drei einer sind. Sie zeigt, wie Gott sich uns offenbart hat, und es ist weiser, dabei zu bleiben, als irgendein menschliches Bild zu überdehnen.

Warum die Dreieinigkeit wichtig ist

Die Dreieinigkeit ist kein abstraktes Rätsel. Sie prägt den ganzen christlichen Glauben.

Sie zeigt, dass Liebe zum innersten Wesen Gottes gehört. Johannes schreibt, dass Liebe Gottes eigenes Wesen ist (1. Johannes 4:8): Er liebt nicht nur, er ist die Liebe selbst. Jesus spricht von der Liebe des Vaters zu ihm vor der Erschaffung der Welt (Johannes 17:24). Liebe begann nicht erst, als Gott Menschen schuf; sie war immer in Gott selbst.

Sie erklärt, wie wir gerettet werden. Gott, unser Retter, hat seine Güte gezeigt, uns durch den Heiligen Geist erneuert und ihn reichlich durch Jesus Christus ausgegossen (Titus 3:4–6). Weil wir seine Kinder sind, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, und wir nennen Gott unseren Vater (Galater 4:6).

Und sie prägt, wie Christen beten. Durch Christus kommen die Gläubigen zum Vater, und derselbe Geist hilft ihnen dabei (Epheser 2:18). Carl Heinrich Rieger beschreibt diesen Zugang durch den Sohn im Geist zum Vater als den Ort, an dem das Geheimnis der Dreieinigkeit ins Herz fließt.

Die Dreieinigkeit handelt also nicht von einer schwer verständlichen Zahl. Sie handelt von dem Gott, der uns geschaffen hat, uns in seinem Sohn retten kam und durch seinen Geist in uns lebt.