Wer waren die Heiligen Drei Könige laut Bibel?
Kurze AntwortDie „Heiligen Drei Könige“ waren nach Matthäus 2 Weise oder Sterndeuter aus dem Osten, wahrscheinlich aus Persien oder Babylonien. Ein Stern führte sie nach Jerusalem und Bethlehem, wo sie den neugeborenen König der Juden anbeteten und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe brachten. Die Bibel sagt nicht, dass es drei waren, nennt sie keine Könige und kennt ihre Namen nicht.
In Krippen und beim Sternsingen erscheinen sie als drei Könige mit Kronen. Die Bibel erzählt ihre Geschichte anders.
Nur Matthäus erwähnt die Weisen, in zwölf Versen (Matthäus 2:1–12), und was er sagt, ist schlichter und zugleich
überraschender als die Überlieferung.
Sterndeuter aus dem Osten
Matthäus beginnt mit der Zeit, dem Ort und den Besuchern.
Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.
Mt 2:1–2 · Luther 1912
Im griechischen Text steht magoi, Magier oder Sterndeuter. John MacArthur erklärt, dass sie keine Könige waren,
sondern Weise und Astrologen, wahrscheinlich aus Persien, und vermutet, dass ihr Wissen über die hebräischen Schriften
bis in die Zeit Daniels zurückreicht, der unter den Weisen Babylons diente. William MacDonald beschreibt sie als
heidnische Priester, die wegen ihres Wissens oft Berater von Königen waren, und gibt zu, dass wir nicht wissen, wo im
Osten sie wohnten. Adolf Schlatter betont: Nicht Israel brachte den Heiden die Nachricht von der Geburt des Christus,
sondern Gott gebrauchte Heiden, um sie Jerusalem mitzuteilen.
Der König, der sie empfing, war Herodes der Große. MacArthur gibt seine Regierungszeit mit 37 bis 4 v. Chr. an, also
wurde Jesus vor 4 v. Chr. geboren. Herodes war grausam und listig, und die Nachricht von einem neugeborenen König der
Juden erschreckte ihn und ganz Jerusalem mit ihm (Matthäus 2:3).
Drei Könige? Was nicht in der Bibel steht
Vieles am vertrauten Bild stammt aus späterer Überlieferung, nicht von Matthäus.
- Die Zahl. Matthäus sagt nirgends, wie viele es waren. MacArthur erklärt, dass man die Zahl drei aus den drei
Gaben abgeleitet hat.
- Der Titel. Es waren Sterndeuter, keine Könige. Schlatter kritisiert die mittelalterliche Gestalt der Geschichte
scharf: „Das ganze Evangelium würde anders, wenn es damit begänne, daß Gott Könige zu Christus führte.“
- Die Namen. Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar stammen aus der kirchlichen Überlieferung. Die Bibel nennt
keine Namen.
- Die Zeit. Die Weisen kamen nicht in der Heiligen Nacht. Sie fanden das Kind in einem Haus, nicht im Stall
(Matthäus 2:11), und Herodes ließ später die Jungen in Bethlehem töten, die zwei Jahre und jünger waren, nach der
Zeit, die er von ihnen erfragt hatte (Matthäus 2:16). MacDonald schließt daraus, dass sie einige Zeit nach der
Geburt kamen, vielleicht bis zu zwei Jahre später.
Nichts davon macht die Geschichte weniger wahr. Es hilft nur, zu lesen, was Matthäus wirklich geschrieben hat.
Der Stern und die Prophezeiungen
Warum sollten Sterndeuter im Osten einen Stern mit einem jüdischen König verbinden? Lange zuvor hatte der heidnische
Prophet Bileam gesagt, dass ein Stern aus Jakob aufgehen werde.
Ich sehe ihn, aber nicht jetzt; ich schaue ihn aber nicht von nahe. Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen und wird zerschmettern die Fürsten der Moabiter und verstören alle Kinder des Getümmels.
4. Mo 24:17 · Luther 1912
MacDonald hält es für möglich, dass die Weisen diese Prophezeiung Bileams kannten. Schlatter meint, sie hätten von
der Hoffnung Israels durch die vielen jüdischen Gemeinden in Asien gehört, und ohne ein inneres Verständnis, das Gott
ihnen schenkte, hätte sie auch der wunderbarste Stern nicht bewegt. Was der Stern war, lässt sich nur vermuten.
MacArthur hält einen Stern, der vor ihnen herzog und über einem Ort stehen blieb (Matthäus 2:9), für keine
natürliche Erscheinung und vergleicht ihn mit der Wolkensäule, die Israel durch die Wüste führte.
Der Stern brachte sie nach Jerusalem, aber nach Bethlehem wies sie die Schrift. Herodes versammelte die Hohenpriester
und Schriftgelehrten, und sie antworteten sofort mit dem Propheten Micha (Micha 5:1).
Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also steht geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Juda’s; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein HERR sei.
Mt 2:5–6 · Luther 1912
Schlatter und MacArthur machen dieselbe ernste Beobachtung: Die geistlichen Führer kannten die Bibel genau und wussten,
wo der Messias geboren werden sollte, aber keiner von ihnen ging mit den Weisen, um ihn zu finden. Herodes bat die
Besucher, ihm Bescheid zu geben, damit auch er das Kind „anbete“, doch in Wahrheit wollte er es töten
(Matthäus 2:7–8).
Gold, Weihrauch und Myrrhe
Als der Stern wieder erschien, freuten sich die Weisen sehr und folgten ihm zu dem Haus, in dem das Kind war.
Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Mt 2:10–11 · Luther 1912
Die Weisen beteten Jesus an, nicht Maria oder Josef. Ihre Gaben waren eines Königs würdig. Viele sehen in jeder Gabe
eine Bedeutung: Gold für seine Gottheit und Herrlichkeit, Weihrauch für den Wohlgeruch seines vollkommenen Lebens und
Myrrhe, ein bitteres Salböl für Begräbnisse, für das Leiden, das er für die Sünden der Welt tragen würde. MacArthur
fügt hinzu, dass die Anbetung durch Heiden prophetische Bedeutung hatte: Die Völker bringen dem König Israels
Geschenke (Psalm 72:10, Jesaja 60:6). Schlatter sieht noch etwas anderes: Ihr Besuch half Maria, in ihrer
Armut Gottes Weg zu erkennen.
Im Traum gewarnt, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg in ihr Land (Matthäus 2:12).
Warum ihre Geschichte wichtig ist
Matthew Henry zeigt den Gegensatz, um den es in dieser Geschichte geht: Fremde aus der Ferne suchten Christus mit
großem Eifer, während sein eigenes Volk, das die Schrift besaß und wenige Kilometer von Bethlehem entfernt lebte,
keinen Schritt tat, um ihn zu sehen. Die Weisen hatten weniger Licht, aber sie folgten dem Licht, das sie hatten, und
es führte sie zu Jesus.
Ihr Weg zeigt schon am Anfang des Evangeliums, dass Jesus nicht nur für Israel, sondern für alle Völker gekommen ist.
Und er stellt jedem Leser dieselbe Frage wie damals Jerusalem: Wenn du weißt, wo er zu finden ist, gehst du hin, um
ihn anzubeten?