Hat Jesus wirklich gelebt?

Kurze Antwort

Ja. Das Neue Testament stellt Jesus als reale Person der Geschichte dar, verbunden mit genannten Herrschern und Orten und bestätigt durch Augenzeugen, die man noch befragen konnte. Die Autoren betonen, dass sie keine Mythen erzählen.

Manche fragen sich, ob Jesus eine reale Person oder eine Gestalt der Legende war. Die Bibel antwortet nicht mit „glaub einfach“. Ihre Verfasser sagen ausdrücklich, dass sie von Geschehenem berichten, und sie nennen Namen, Orte und Zeugen, damit der Leser nachprüfen kann.

Lukas schrieb wie ein Geschichtsschreiber

Lukas beginnt sein Evangelium wie ein antiker Historiker und erklärt, was er vor dem Schreiben getan hat.

Sintemal sich’s viele unterwunden haben, Bericht zu geben von den Geschichten, so unter uns ergangen sind, wie uns das gegeben haben, die es von Anfang selbst gesehen und Diener des Worts gewesen sind: habe ich’s auch für gut angesehen, nachdem ich’s alles von Anbeginn mit Fleiß erkundet habe, daß ich’s dir, mein guter Theophilus, in Ordnung schriebe, auf das du gewissen Grund erfahrest der Lehre, in welcher du unterrichtet bist.

Lk 1:1–4 · Luther 1912

William MacDonald stellt fest, dass Lukas im Vorwort schriftliche und mündliche Quellen sowie seine Arbeitsweise nennt und das Gesammelte auf Zuverlässigkeit prüfte. Die Neue Genfer Studienbibel erinnert daran, dass Lukas Jesus selbst nicht gesehen hat: Er schreibt aufgrund eigener Nachforschungen und hält das Erfahrene für völlig zuverlässig. John MacArthur fügt hinzu, dass Lukas Augenzeugen befragen konnte: mehr als zwei Jahre in Cäsarea, während Paulus dort in Haft war. Bekannt ist auch seine Begegnung mit Philippus (Apostelgeschichte 21:8).

Es gab damals schon viele Berichte. Nach der Neuen Genfer Studienbibel sind viele dieser frühen Schriften nicht erhalten. Die Evangelien waren also nicht der erste Versuch, das Leben Jesu festzuhalten, sondern die, die erhalten blieben.

Echte Herrscher, echte Daten

Lukas lässt die Geschichte Jesu nicht in einem vagen „Es war einmal“. Er verankert sie auf der politischen Landkarte seiner Zeit.

In dem 15. Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberius, da Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war und Herodes ein Vierfürst in Galiläa und sein Bruder Philippus ein Vierfürst in Ituräa und in der Gegend Trachonitis und Lysanias ein Vierfürst zu Abilene, da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren: da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste.

Lk 3:1–2 · Luther 1912

Albert Barnes erklärt, dass das fünfzehnte Jahr des Tiberius ab dem Beginn seiner Mitregentschaft mit Augustus gezählt wird, und die Neue Genfer Studienbibel nennt etwa die Jahre 27 bis 29 n. Chr. MacArthur erläutert, dass Hannas auch nach seiner Absetzung die eigentliche Macht behielt und Kaiphas sein Schwiegersohn war, und er erwähnt, dass der jüdische Historiker Josephus Hannas ebenfalls als Hohenpriester nennt.

Alle Genannten waren reale Amtsträger: Kaiser Tiberius, Pilatus, der Tetrarch Herodes, die Hohenpriester Hannas und Kaiphas. Adam Clarke merkt an, dass Lukas Personen, Orte und Zeiten mit größter Genauigkeit angibt, und dass sich das Evangelium darin von Mythen unterscheidet, die im Verborgenen entstanden und keine Zeugen hatten.

Zeugen, die man noch befragen konnte

Paulus gibt weiter, was er selbst empfangen hat: eine Zusammenfassung dessen, was die ersten Christen lehrten.

Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, was ich auch empfangen habe: daß Christus gestorben sei für unsre Sünden nach der Schrift, und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage nach der Schrift, und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn 500 Brüdern auf einmal, deren noch viele leben, etliche aber sind entschlafen.

1. Kor 15:3–6 · Luther 1912

Die Neue Genfer Studienbibel nennt diese Verse den Kern der Lehre der frühen Kirche und betont, dass die meisten der fünfhundert Brüder noch lebten, als Paulus schrieb, sodass jeder die Tatsachen prüfen konnte. MacDonald sagt dasselbe: Wer Paulus hätte widersprechen wollen, hätte die Zeugen befragen können.

Petrus besteht auf demselben Punkt.

Denn wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt, da wir euch kundgetan haben die Kraft und Zukunft unsers HERRN Jesu Christi; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen,

2. Petr 1:16 · Luther 1912

Barnes erklärt, dass sich die Apostel nicht auf Geschichten stützten, die kluge Leute erfunden hatten, sondern auf die persönliche Beobachtung kompetenter Zeugen. MacDonald verbindet das mit der Verklärung, als Petrus die Herrlichkeit Jesu mit eigenen Augen sah, und fügt hinzu, das Zeugnis der Apostel beruhe auf Tatsachen, nicht auf Mythen.

Was das bedeutet

Die Evangelien sind keine Mythen. Sie sind Berichte von Menschen, die Jesus gesehen oder mit Augenzeugen gesprochen haben und wussten, dass ihre Leser alles nachprüfen konnten. Das beweist noch nicht alles, aber es verändert die Frage: nicht „Hat er gelebt?“, sondern „Wer ist er?“. Davon handeln der Text über Jesus Christus sowie Kreuz und Auferstehung.