Ist Jesus Gott?

Kurze Antwort

Ja. Das Neue Testament lehrt, dass Jesus wahrer Gott ist, das ewige Wort, das Mensch wurde, und zugleich wahrer Mensch. Er ist nicht der Vater, sondern eine der drei Personen des einen Gottes.

Die Bibel behandelt diese Frage nicht als Nebensache. Das Johannesevangelium ist gerade dafür geschrieben, zu zeigen, wer Jesus ist, und im Neuen Testament gibt es mehrere Stellen, die die Frage direkt beantworten. Alle weisen in dieselbe Richtung.

Das Wort war Gott

Johannes eröffnet sein Evangelium mit einem Anklang an die ersten Worte der Bibel.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Joh 1:1 · Luther 1912

Die Neue Genfer Studienbibel merkt an, dass dem Wort hier eine ewige Existenz zugeschrieben wird („im Anfang“), und eine solche Existenz gehört allein Gott. Sie greift auch den bekannten Einwand auf, es müsse „ein Gott“ heißen. Das beruhe auf einem Missverständnis des neutestamentlichen Griechisch, und Johannes spreche nirgends von Gott als einem unter vielen Göttern. Dass das Wort „bei Gott“ war, zeige zudem einen Unterschied der Personen im einen Gott.

William MacDonald weist auf Vers 3 hin: Alles ist durch das Wort geworden, also ist es nicht selbst geschaffen, sondern der Schöpfer. Er fügt hinzu, dass Christus nicht erst nach der Auferstehung Gott wurde und auch nicht erst in Bethlehem zu einer Person: Er ist Gott von Ewigkeit her. Wer dieses Wort ist, sagt Johannes wenig später.

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Joh 1:14 · Luther 1912

„Mein Herr und mein Gott!“

Nach der Auferstehung begegnete der zweifelnde Thomas dem Herrn und sagte, was bis dahin niemand gesagt hatte.

Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein HERR und mein Gott!

Joh 20:28 · Luther 1912

Adolf Schlatter schreibt, Thomas spreche damit aus, was nun im Herzen aller Jünger als feste Gewissheit stand, und Jesus bestätige dieses Bekenntnis. MacArthur nennt es das größte Bekenntnis, das ein Mensch ablegen kann, und den passenden Höhepunkt des Zwecks, den das Evangelium nennt (Johannes 20:31). MacDonald zitiert John Boys: Thomas erkannte die Gottheit, die er nicht sah, an den Wunden, die er sah. Beachtenswert ist auch, dass Jesus ihn nicht korrigierte.

Dasselbe sagt der Apostel Paulus

An die Kolosser schreibt Paulus es in einem einzigen Satz.

Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig,

Kol 2:9 · Luther 1912

MacDonald nennt diesen Vers einen der klarsten der Bibel über die Gottheit Christi: Paulus häuft die Ausdrücke bewusst, damit kein Zweifel bleibt. MacArthur betont beide Seiten der Wahrheit: In Jesus wohnt die ganze Fülle Gottes, und sie wohnt „leibhaftig“ in ihm. Er war also nicht nur ganz Gott, sondern auch ganz Mensch. Schlatter bemerkt, wer Christus für glänzende Gedanken hergebe, mache einen schlechten Tausch, denn Christus erschließe Gott dem Menschen, der nur Leibliches kennt.

An Titus schreibt Paulus vom Tag der Wiederkunft (Titus 2:13). MacArthur sieht in den Worten vom „großen Gott und Retter Jesus Christus“ einen klaren Hinweis auf die Gottheit Jesu.

Eins mit dem Vater, aber nicht der Vater

So sprach auch Jesus selbst.

Ich und der Vater sind eins.

Joh 10:30 · Luther 1912

Seine Zuhörer verstanden ihn sofort: Sie sagten, er mache sich als Mensch selbst zu Gott (Johannes 10:33). Doch der Vers sagt nicht, Jesus sei der Vater. MacArthur sieht darin die Einheit der Natur und des Wesens, und die Neue Genfer Studienbibel erklärt, Jesus und der Vater seien nicht dieselbe Person, sondern Personen, die im Wesen eins sind. MacDonald versteht „eins“ zunächst als gleiche Macht, die ebenso für alle anderen Eigenschaften Gottes gelte.

Darin liegt der Kern der Lehre von der Dreieinigkeit: ein Gott in drei Personen. Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, der Sohn, der in unsere Welt kam.

Was das für uns bedeutet

Wenn Jesus Gott ist, dann ist das Kreuz nicht der Tod eines menschlichen Märtyrers, sondern Gott selbst nimmt unsere Sünde auf sich. Seine Zusagen sind so verlässlich wie Gottes eigenes Wort. Und er verdient die Anbetung, die wir Gott schulden. Die Worte des Thomas sind eine Einladung an jeden Leser, sie von Herzen nachzusprechen.